Pressemeldung 4. November 2021

Österreichische Nationalbibliothek erwirbt aufsehenerregende Korrespondenz zu Ludwig Wittgenstein

Es handelt sich um die größte Entdeckung neuer Originalquellen zu Ludwig Wittgenstein (1889-1951), dem bedeutendsten österreichischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, in den letzten 25 Jahren: Vor kurzem konnte eine sensationelle Ergänzung zu den in der Österreichischen Nationalbibliothek bestehenden Originalbriefen erworben werden. 180 weitere Originalbriefe dokumentieren die Korrespondenz zwischen Wittgenstein und seinem engsten Freund der letzten Jahre, den um 35 Jahre jüngeren Medizinstudenten Ben Richards (1924-1995). Dieser Bestand war der Wittgenstein-Forschung bis dato völlig unbekannt und füllt exakt die Lücken der an der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandenen Briefsammlung. Sie umfasst den Zeitraum von Juni 1946 bis wenige Tage vor Wittgensteins Tod im April 1951. Der Bestand wurde von der Familie von Ben Richards angekauft.

Generaldirektorin Dr. Johanna Rachinger: „Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, diese spektakuläre Neuerwerbung unseren Wittgenstein-Beständen, die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählen, hinzufügen zu können. Damit ermöglichen wir der Forschung neue Einblicke in die letzte Lebensphase des prägenden Philosophen."

Richards Antwortbriefe ergänzen die bisher einseitige Korrespondenz und ermöglichen ein detailliertes Bild von Wittgensteins letzten Lebensjahren, die, nach der Aufgabe seiner Professur in Cambridge, von seinen langen Irlandaufenthalten und seinen Reisen in die USA und nach Norwegen bestimmt waren. Die Briefe offenbaren ein tiefes emotionales Verhältnis zu Ben Richards, der zu seiner wichtigsten Bezugsperson in dieser Zeit wurde. So schreibt Wittgenstein am 4. Juni 1948 an Richards: „Your letters are food + drink for a whole week and that’s no exaggeration.”

Im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek befindet sich ein bedeutender Teil des schriftlichen Nachlasses, sowie eine umfangreiche Sammlung an Originalbriefen von und an Ludwig Wittgenstein mit anderen Korrespondenten. Bereits 1995 konnte ein Konvolut von 150 Briefen von Ludwig Wittgenstein an Ben Richards erworben werden. Das Konvolut blieb auf Wunsch der Witwe Richards bis zum Jahr 2020 für die Benützung gesperrt. Eine Publikation der gesamten Briefsammlung ist in Vorbereitung.

Den BenutzerInnen stehen die Dokumente ab Dezember 2021 in den Online-Katalogen der Österreichischen Nationalbibliothek zur Verfügung.

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