Pressemeldung 30. September 2021

Wir öffnen Räume - Die Österreichische Nationalbibliothek präsentiert ihre Vision 2035

Die Pressekonferenz können Sie an dieser Stelle nachschauen.

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Seit mehr als 650 Jahren kommt die Österreichische Nationalbibliothek ihrer Kernaufgabe, dem Sammeln, Bewahren und Vermitteln von Wissen, nach.

Die 2012 vorgelegte „Vision 2025 – Wissen für die Welt von morgen“ war Wegweiser für die strategische Planung und wurde zum größten Teil bereits erfolgreich umgesetzt. Die Transformation zum digitalen Wissenszentrum des 21. Jahrhunderts ist bereits weitgehend Realität. Auf dieser Basis aufsetzend, hat sich die Österreichische Nationalbibliothek erneut damit auseinandergesetzt, wie sie ihre Rolle auch in Zukunft verantwortungsvoll wahrnehmen kann.

Durch den umfassenden digitalen Wandel, tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen sowie fundamentale Änderungen in der Weise, wie wir lernen, arbeiten und miteinander kommunizieren, stehen Bibliotheken mehr denn je vor einer Fülle neuer Aufgaben und komplexer Herausforderungen, die zugleich neue Chancen und Perspektiven bieten. Themen wie Diversity, Gleichbehandlung, Migration, nachhaltiges Wirtschaften, sorgsamer Umgang mit Umweltressourcen und Klimaschutz sind nicht nur momentan brandaktuell, sondern werden uns auch in Zukunft begleiten. In diesem gesellschaftlichen und technologischen Transformationsprozess sieht sich die Österreichische Nationalbibliothek auch weiterhin als aktive Mitgestalterin und Vermittlerin – mit Verantwortung und Transparenz, mit Offenheit und Weitblick.

In ihrer Vision 2035 bekräftigt die Österreichische Nationalbibliothek ihren wesentlichen Beitrag in einer weitgehenden Öffnung ihrer Räume: physisch, digital und ideell. Das Leitmotiv „Wir öffnen Räume“ wird dabei sehr umfassend verstanden und meint nicht nur die Bibliothek als physischer und sozialer Raum, sondern als Ort des offenen Diskurses, des dialogischen Austauschs, der Vielfalt und der gleichberechtigten Teilhabe. Die Vision 2035 wird die strategische Planung der kommenden Jahre bestimmen. Sie gliedert sich in vier Schwerpunkte, die in Bezug zum gesetzlichen Auftrag und zu den Hauptaufgaben der Österreichischen Nationalbibliothek stehen.

Wir schaffen neue Zugänge zu unseren vielfältigen Sammlungen

Die Österreichische Nationalbibliothek bekennt sich zu einer aktiven Sammelstrategie, die unterschiedliche digitale und analoge Formate beinhaltet, die Diversität der österreichischen Gesellschaft berücksichtigt und deren kulturelle Vielfalt widerspiegelt. Bei der Weiterentwicklung der Sammelrichtlinien sucht die Österreichische Nationalbibliothek künftig aktiv den Kontakt zu bisher unzureichend repräsentierten Gruppen.

Ein wesentlicher Blickpunkt für die Zukunft wird die Archivierung von digitalen Inhalten inklusive Webpublikationen und digitaler Kommunikationsformen sein, wie zum Beispiel Blogs und öffentliche Social-Media-Kanäle mit Schwerpunkt Politik, Kultur und Wissenschaft. Mit diesem Ansatz kann die Österreichische Nationalbibliothek künftig sicherstellen, dass relevante Inhalte in diesen schnelllebigen Kanälen und darin geteilte Inhalte auch kommenden Generationen zur Verfügung stehen werden. Ein aktuelles Beispiel dafür wäre die gegenwärtige Diskussion zu COVID-19-Maßnahmen in sozialen Netzwerken. Bei der Auswahl von Webinhalten zu bestimmten Themen und Events wird die Österreichische Nationalbibliothek auf die verstärkte Zusammenarbeit mit Stakeholdern wie zum Beispiel VertreterInnen unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche, Kunst- und Kulturschaffenden als auch generell der Zivilgesellschaft setzen.

Die umfassende Digitalisierung der urheberrechtsfreien Sammlungsbestände ist weiterhin eines der wichtigsten Ziele und wird 2035 sehr weit vorangeschritten sein. Neben historischen Buch- und Zeitungsbeständen werden gezielte Schwerpunkte gesetzt, sodass insbesondere das Angebot an digitalisierten Foto- und Grafikbeständen, Notenhandschriften und Notendrucken sowie Handschriften und Papyri bedeutend erweitert sein wird.

Darüber hinaus wird die Datenqualität der Digitalisate weiter verbessert, da sich beispielsweise die Genauigkeit der automatischen Texterkennung bereits jetzt technisch rasant weiterentwickelt. Dies betrifft auch die Strukturierung der Digitalisate, damit etwa digitalisierte Zeitungsbestände auch auf Ebene einzelner Zeitungsartikel zugänglich gemacht werden können.

Die Erschließung der vielfältigen Bestände ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Österreichischen Nationalbibliothek und bei den rasch wachsenden digitalen Beständen werden dafür auch Verfahren wie Machine Learning eingesetzt werden. Datensets werden in Zukunft, soweit rechtlich möglich, über offene Datenschnittstellen als Open Data zugänglich gemacht und damit ganz neue Arten der Nutzung von Bibliotheksbeständen möglich gemacht.

Die Österreichische Nationalbibliothek wird 2035 den BenutzerInnen einen umfassenden, barrierefreien, personalisierbaren und strukturierten Zugang zu ihren digitalen Beständen anbieten. Dies soll durch die konsequente Berücksichtigung des Nutzerfeedbacks und eine einheitliche User Experience Strategie sichergestellt werden. Es wird unter anderem möglich sein, persönliche digitale Sammlungen zu erstellen und diese mit anderen zu teilen. Durch eine Plattform für Datenanreicherungen werden künftig Crowdsourcing- und Citizen-Science-Projekte unterstützt, um von der Expertise und den kreativen Ideen der NutzerInnen zu lernen und sie gleichberechtigt an den Beständen teilhaben zu lassen.

Unsere Räume sind offen für neue Formen des Lernens und des kreativen Austauschs

Die Österreichische Nationalbibliothek steht als Raum des Lernens und Erlebens auch in Zukunft allen offen. Das bedeutend erweiterte und inklusive Vermittlungsprogramm wird vor allem durch den Einsatz innovativer Technik näher an die Lebenswelten der Zielgruppen gerückt: Trends aus der digitalen Welt wie etwa Online-Games werden aufgegriffen und mit historischen Objekten verknüpft, um die kritische Auseinandersetzung mit konsumierten Medieninhalten zu fördern.

Im besonderen Fokus steht dabei weiterhin die zielgruppen-spezifische Vermittlung im Sinne eines spannenden, interdisiziplinären Angebotes für Kinder und Jugendliche, die stärkere Vernetzung mit Schulen und die Aufbereitung beziehungsweise Präsentation von Inhalten für Studierende und ForscherInnen. Dies wird Ausstellungen, Präsentationen, Kulturvermittlungsprogramme und neue Formate wie gemeinsame, virtuelle Ausstellungskonzepte mit einzelnen Communities oder unter professioneller Anleitung von BesucherInnen für BesucherInnen gestaltete Themenpräsentationen umfassen. So können in Zukunft auch bislang nicht erreichte Gruppen besser von den Angeboten und Möglichkeiten der Österreichischen Nationalbibliothek profitieren.

Als Lotsin durch den digitalen Wandel wird die Österreichische Nationalbibliothek Bildungspartnerin für Informations- und Medienkompetenz bei der Suche nach geprüfter Information sein und ihre Position als Garantin für seriöse und kuratierte Quellen weiter gestärkt haben. Mit barrierefreien digitalen Angeboten wird der Zugang zu Informationen zudem vereinfacht. Die Österreichische Nationalbibliothek wird sich zur Teaching Library entwickeln, mit Lern- und Studienangeboten vor Ort und online sowie mit innovativen Programmen für formelles und informelles Lernen in enger Partnerschaft mit Schulen, Universitäten und außeruniversitären Bildungseinrichtungen.

Wir eröffnen neue Möglichkeiten für die Forschung

Als eine der führenden wissenschaftlichen Bibliotheken des Landes unterstützt die Österreichische Nationalbibliothek seit jeher WissenschaftlerInnen bestmöglich und betreibt selbst Forschung auf hohem Niveau. Mit ihrer umfangreichen Digitalen Bibliothek trägt sie bereits jetzt zur Generierung neuen Wissens bei.

Ein künftiger Schwerpunkt liegt diesbezüglich in der Verfügbarkeit der digitalen und digitalisierten Bestände als Daten („collections as data“), die über offene Schnittstellen angeboten werden. Die Bestände können dann mit maschinellen Methoden analysiert werden und somit die „Digitalen Geisteswissenschaften“ unterstützen. Mit „distant reading“-Methoden werden zum Beispiel für spezifische Fragestellungen viel größere Textmengen analysiert werden können, als ein Mensch je lesen und untersuchen könnte. Neben den Daten als Rohstoff für die Forschung wird die Österreichische Nationalbibliothek auch Infrastrukturen und Tools zum Arbeiten mit diesen Daten zur Verfügung stellen.

Die bereits bestehenden Library Labs werden als Basisinfrastruktur weiter ausgebaut, um die innovative Nutzung der digitalen Sammlungen zu unterstützen. Auch die nachhaltige Infrastruktur für wissenschaftliche digitale Editionen wird erweitert – für die Nachhaltigkeit der zu den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek generierten Forschungsdaten wird eine umfassende Strategie umgesetzt. Partnerschaften mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden weiter verstärkt.

Gemeinsam mit anderen erreichen wir mehr

Auf nationaler und internationaler Ebene wird die bewährte Zusammenarbeit mit anderen Bibliotheken und Institutionen fortgesetzt, um innovative Prozesse und Standards zur Sammlung, Erschließung, Bereitstellung, Bewahrung und wissenschaftlichen Analyse von Kulturbeständen zu sichern: Beispiele dafür sind die traditionelle Zusammenarbeit im Österreichischen Bibliothekenverbund und die langjährige und erfolgreiche Kooperation mit der europäischen Kulturplattform Europeana.

Die Österreichische Nationalbibliothek ist bereits jetzt aktiv an nationalen und internationalen Forschungs- und Dateninfrastrukturen beteiligt, genauso wie an Forschungsprojekten und -initiativen. Die führende Rolle im professionellen Netzwerk der europäischen Bibliotheken wird künftig weiter ausgebaut.

Die reichhaltigen digitalen Bestände werden über Schnittstellen auf Lernplattformen und über Forschungsinfrastrukturen für Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt, damit diese geteilt, kommentiert und kreativ genutzt werden können. Das Teilen von wissenschaftlichen Beiträgen, die von der breiten Öffentlichkeit erstellt werden („Citizen Science“), spielt eine wesentliche Rolle und wird in Zukunft von der Österreichischen Nationalbibliothek durch Infrastruktur und geeignete Daten explizit gefördert und unterstützt. Die weiterentwickelte Crowdsourcing-Plattform wird für kollaboratives, kreatives und exploratives Arbeiten mit den digitalen Beständen bestmöglich ausgebaut.

Das vorteilhafte Zusammenspiel aus analoger und digitaler Welt ist das Qualitätsmerkmal einer lebendigen und zukunftsorientieren Bibliothek. Ausgehend von den vier konkreten Schwerpunkten legt die Österreichische Nationalbibliothek ihre Pläne für die Herausforderungen der Zukunft fest. Chancen, die die Digitalisierung dafür bietet, sollen bestmöglich genutzt werden – Lernen und Forschen, Inspiration und Austausch dadurch ermöglicht werden. Die Österreichische Nationalbibliothek verfügt über Sammlungen und Datenbestände, die für alle uneingeschränkt zugänglich sein werden und künftig neue Erkenntnisse und Ideen ermöglichen sollen. Die Vision 2035 dient als zukunftsweisendes Leitbild für diesen Transformationsprozess und schafft die physische, digitale und ideelle Öffnung der Räume.

Prunkstiege der Österreichischen Nationalbibliothek © Österreichische Nationalbibliothek/Pichler.

Die Verwendung des zur Verfügung gestellten Bildmaterials im Rahmen der Berichterstattung über die Österreichische Nationalbibliothek ist kostenfrei. Copyright, falls nicht anders angegeben: Österreichische Nationalbibliothek.

Pressekontakt:
Elke Koch
Kommunikation und Marketing
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