Frau steht im Aussenbereich der Straßenbahn und zündet sich neben der Schaffner eine Zigarette an

Gesellschaft

Neben seiner Rolle als vielbeschäftigter Sportfotograf fertigte Rübelt auch zahlreiche Auftragsarbeiten und Reportagen zu unterschiedlichsten tagesaktuellen Themen an. Diese wurden in der immer vielfältiger werdenden Illustriertenlandschaft veröffentlicht, u.a. im wöchentlich erscheinenden „Interessanten Blatt“.

Arbeit und Wirtschaft

In der Zwischenkriegszeit dokumentierte Rübelt die zweimal jährlich stattfindende Wiener Messe und die unterschiedlichen Facetten der – meist städtischen – Arbeitswelt, wie den Straßenarbeiter und die Marktfrauen. Auch die Baufortschritte am Wiener Stadion, einem Prestigeprojekt der Stadt, hielt er in eindrucksvollen Aufnahmen fest.

1950 wurde er mit einer Reportage zum Bau des Kraftwerks Kaprun beauftragt – für dieses Vorhaben arbeitete er erstmals in größerem Umfang mit Farbmaterial.

In den 1950er-Jahren verschob sich der Fokus seines Schaffens hin zu Produkt- und Interieurfotografie, zum Teil auch als Auftragsarbeiten für Broschüren und Werbeprospekte.

Kultur und Society

Immer wieder auch als Chronist kultureller Events für die illustrierte Presse unterwegs, hielt Lothar Rübelt in den 1920er- und 1930er-Jahren die aktuellen Strömungen seiner Zeit fest, wie Varietés und Revuen, aber auch den Siegeszug des Rundfunks.

In der Nachkriegszeit wurde er mit der Dokumentation bedeutender Theaterereignisse beauftragt, wie den Salzburger Festspielen 1947 und der feierlichen Wiederöffnung des Wiener Burgtheaters 1955 als Symbol des wiedererstandenen Österreichs.

Die Illustrierten der Zwischenkriegszeit waren immer auf der Suche nach geeignetem Bildmaterial für Klatschspalten und Ereignissen der High Society. Lothar Rübelt lieferte passende Motive, die von den Zeitungsredaktionen sehr gerne angenommen wurden. Sei es der Hype um den Besuch von Charlie Chaplin oder die jährlich stattfindenden Derbys, bei denen sich der ehemalige Adel und Politik trafen und die Zeitungen das Lesepublikum mit dem beliebten „Namedropping“ unterhalten konnten.

Soziales

Durch den Konjunkturrückgang bei der Autoindustrie kam es bereits 1930 zu Massenentlassungen bei den Steyr-Automobilwerken und in Folge geriet das Unternehmen durch den Zusammenbruch der Bodenkreditanstalt in finanzielle Bedrängnis. Mehr als ein Viertel der Steyrer Bevölkerung wurde arbeitslos und im Dezember 1931 erklärte der Gemeinderat von Steyr seine Zahlungsunfähigkeit.

In einer groß angelegten Sozialreportage zeigte Lothar Rübelt die beklemmenden Auswirkungen der Arbeitslosigkeit in Steyr. Einige Bilder wurden in der sozialdemokratischen Illustrierten „Kuckuck“, bekannt für ihren innovativen Bildjournalismus, publiziert.

Auch das soziale Elend und die Verarmung der Wiener Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit hielt Rübelt in eindrucksvollen Bildern fest.

Die große internationale Hilfsbereitschaft für österreichische Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentierte er in berührenden Reportagen.

Verkehr

Verkehr

Als Kind der Großstadt wurde Lothar Rübelt in der Zwischenkriegszeit Zeuge der fortschreitenden Motorisierung sowohl im öffentlichen als auch im Individualverkehr. Er dokumentierte die damit einhergehenden Veränderungen im Stadtbild, wie den ersten Kreisverkehr der Stadt am Michaelerplatz. Für diese eindrucksvolle Aufnahme stieg Rübelt auf den Turm der Michaelerkirche

Rübelt war selbst in der Frühzeit seiner fotografischen Karriere ein Motorradenthusiast, da er mit diesem raschen und wendigen Fortbewegungsmittel schneller als seine Konkurrenz die Bilder in die Zeitungsredaktionen bringen und nach dem Prinzip „first come first serve“ gute Geschäfte machen konnte.

Auch das neue Mobiliar „Tankstelle“, das sich in den 1920er-Jahren in das Stadtgefüge eingeschrieben hatte, wurde von ihm stimmungsvoll festgehalten. Für die Firma „Shell“ fotografierte Rübelt 1958 die stylishen neuen Tankstellen im typischen 50er-Jahre-Design, die vor allem in den Wiener Ausfallstraßen errichtet wurden und sich durch ihre Corporate Identity auszeichneten.

Wien

Obwohl Lothar Rübelt als Sportfotograf sehr oft auf Reisen war, hat er seine Heimatstadt Wien in seinem mehr als 40-jährigen beruflichen Schaffen immer wieder liebevoll fotografisch festgehalten. Die Motive reflektierten nicht nur persönliche Vorlieben, sondern noch mehr die Anforderungen und Präferenzen seiner Auftraggeber*innen und unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven. Das beeinflusste die Bildauswahl, die Szenerien und auch die Blickwinkel auf manche Geschehnisse. So zeichnen diese Fotografien und Reportagen ein sehr vielfältiges Bild der sich stetig verändernden Großstadt im Spannungsfeld zwischen Tradition und Modernisierung. Auch diese Bilder tragen die unverwechselbare Handschrift Rübelts und zeigen seine thematische Bandbreite und Vielseitigkeit. Sie laden den Betrachter und die Betrachterin ein, einen zweiten, genaueren Blick auf das Bild zu werfen und einzutauchen in dieses bunte Panorama der Großstadt.

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