Kurt Frieberger (Pseudonym Karl Gustav Ger), geboren am 4. 4. 1883 in Wien, gestorben am 19. 11. 1970 ebenda. Friebergers Vater Gustav, ein bekannter Journalist und Feuilletonist bei österreichischen, deutschen und französischen Zeitungen, empfing in seinem Haus bedeutende Schriftsteller der Jahrhundertwende wie Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Jakob Julius David. Nach Beendigung des Jusstudiums folgte Kurt Frieberger einer langen Familientradition und trat, obwohl als Dramatiker bereits durchaus erfolgreich, 1909 in den Staatsdienst ein. In der Ersten Republik arbeitete er zehn Jahre im Bundeskanzleramt (bis 1928), wo ihn ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit dem christlich-sozialen Bundeskanzler Ignaz Seipel (1922-1924 sowie 1926-1929) verband. Neben seiner Beamtenlaufbahn widmete sich Frieberger intensiv der Kulturvermittlung und war zum Beispiel eines der Gründungsmitglieder des 1922 in Wien gegründeten "Kulturbundes". Von 1929 bis 1938 fungierte er als Attaché der Österreichischen Gesandtschaft am königlichen Hof in Italien. Seinen Bemühungen und guten Kontakten verdankt Österreich seine Repräsentanz bei der Biennale in Venedig durch einen eigenen Österreich-Pavillon. In den Jahren in Rom sorgte Frieberger für eine deutliche Intensivierung des kulturellen Austausches zwischen Italien und Österreich. Mit der Eingliederung Österreichs in das "Dritte Reich" verlor er seinen Posten und wurde der Pension für verlustig erklärt. Zugleich mußte er schriftstellerische Beschränkungen hinnehmen und durfte nur mehr Übersetzungen und Bearbeitungen veröffentlichen. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus kehrte Frieberger 1945 in den Beamtenstand zurück und war in Folge maßgeblich an der Errichtung des Ministeriums für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung beteiligt. 1946 bis 1953 gehörte er dem Verwaltungsgerichtshof als Senatspräsident an. Weiterhin engagierte er sich als kultureller Vertreter des offiziellen Österreich, nahm immer wieder an internationalen Konferenzen teil, etwa 1952, als das Welturheberrechtsabkommen in Genf verabschiedet wurde. Neben der Funktion des Präsidenten der Grillparzer-Gesellschaft bekleidete er auch das Amt des Vizepräsidenten des Österreichischen PEN-Clubs. 1967 wurde er zum Professor ernannt.

Erste Gedichte wurden noch in den Studienjahren in dem Gedichtband "Barocke Monologe" (Berlin: Juncker 1907) veröffentlicht. Ein Jahr später erhielt Frieberger für die Komödie "Das Glück der Vernünftigen" (UA Raimundtheater, Wien, 1907) den Raimund-Preis. Neben weiteren Theaterstücken wie etwa "Hendrijke" (UA Preußisches Hoftheater, Kassel, 1910) entstanden der Roman "Danae" (Wien: Wiener Literarische Anstalt 1921), die "Sieveringer Sonette" (Wien: Wiener Literarische Anstalt 1919) oder das Kunstbuch "Die spanische Hofreitschule" (Wien: Österreichische Verlagsanstalt 1921). Während der Zeit des Dritten Reiches bearbeitete bzw. übersetzte er Stücke von August von Kotzebue ("Die deutschen Kleinstädter", 1942; "Die beiden Klingsberg", 1942) sowie von Carlo Goldoni ("Nachtigallen aus Venedig", 1943; "Ein anständiges Mädel", 1944) und anderen italienischen Autoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen noch einige Romane, unter anderem "Kampf mit dem Jenseits" (Wien: Amandus-Verlag 1949), "Montmartre triumphiert" (Wien: Zsolnay 1950) sowie "Der Fischer Simon Petrus" (Wien: Zsolnay 1953), der unter anderem ins Englische, Spanische, Französische und Niederländische übersetzt wurde.

Auszeichnungen: Raimund-Preis für Dramatik 1908, Ehrenmedaille der Stadt Wien 1953, Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 1955, Großer Österreichischer Staatspreis 1963.

Nachlass

Zugangsdatum 2004
Umfang 35 Archivboxen, AV-Medien
Status Grob geordnet
Benutzung Eingeschränkt benutzbar
Enthält Werke, Korrespondenzen, Lebensdokumente, Sammelstücke
Korrespondenzpartner*innen Auswahl
Achtung
Prunksaal

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