Armillarsphären sind astronomische Instrumente zur Bestimmung von Sternörtern, die aus mehreren, teilweise beweglichen Ringen bestehen. Diese mit Kreiseinteilungen versehenen Reifen verdeutlichen die gedachten Erd- und Himmelskreise (Äquator, Polar- und Wendekreise, Koluren, Ekliptik). Armillarsphären konnten aber auch als dreidimensionale Modelle zur Darstellung von Weltsystemen verwendet werden. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Objekte in das Innere gesetzt –zunächst ein kleiner Erdglobus, später die Erde mit Mond und sogar Planetensysteme. Im Barockzeitalter entstanden Instrumente, die mit einem Uhrwerk versehen, die „Himmelsbewegungen“ simulieren konnten.

Die beiden Armillarsphären wurden in Wien von dem Jesuitenfrater und Universitätslehrer Andreas Spitzer als Demonstrations- und Lehrbehelfe angefertigt. Sie zeigen die wichtigsten Himmelskreise. Im Inneren der einen Ringkugel befindet sich ein geozentrisches, in der anderen das heliozentrische Weltmodell nach Nikolaus Kopernikus (1473–1543). Das geozentrische System basiert auf den Vorstellungen des ionischen Naturphilosophen Herakleides von Pontos (ca. 388–315 v. Chr.). Beide Weltbilder – das traditionelle und das moderne – sind aus Gründen der Anschaulichkeit stark vereinfacht.

Im Mittelpunkt des geozentrischen Modells steht die dunkle Erde, um die der Mond kreist. Es folgt die Sonne, die von Merkur und Venus umrundet wird. Noch weiter entfernt sind die Planeten Mars, Jupiter und Saturn angeordnet. In der heliozentrischen Armillarsphäre befindet sich die Sonne im Mittelpunkt konzentrischer Kreisbahnen der anderen Planeten. Das Paar entstand 1764, sieben Jahre nachdem das Hauptwerk des Nikolaus Kopernikus „De revolutionibus orbium coelestium“ (1543) vom päpstlichen Index der verbotenen Bücher gestrichen worden war.

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Abb.: Andreas Spitzer, Armillarsphären, 1764, Armillarsphäre mit geozentrischem und mit heliozentrischem Weltmodell, Wien 1764, Durchmesser ca. 30 cm, Höhe ca. 63 cm, ÖNB/Globenmuseum: Gl. 18, Gl. 19
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