Am 13. Januar 1971 legte der u.a. von Gustav Ernst und Heidi Pataki in Wien mitbegründete Arbeitskreis österreichischer Literaturproduzenten seine erste "Erklärung" vor. In ihr wurde im Sinne einer umfassenden radikalen Demokratisierung des Literatur- und Kulturbetriebs proklamiert:

"Wir fordern den Einsatz der freiwerdenden Mittel zur Entwicklung von künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeitsmöglichkeiten, die die Produzenten vom Bittstellerdasein befreien und die einer breiten demokratischen Kontrolle jenseits einer Partei- und Bürokratiebevormundung unterliegen.

Wir fordern die Abschaffung von staatlichen Subventionen für sinnlos dahinvegetierende Verlage und für die Kunst- und Literaturzeitschriften einiger dieser Verlage.

Wir fordern den Einsatz der freiwerdenden Mittel für die Gründung eines verstaatlichten Verlags unter der Kontrolle der Verlagsgsangestellten und Autoren."

Die Forderung nach einem "verstaatlichten Verlag" wurde bereits im März 1971 zugunsten eines Agreements mit dem Wiener Verlag "Jugend & Volk" aufgegeben. Die Vereinbarung sah die Publikation der Reihe "Edition Literaturproduzenten" ab dem Frühjahr 1972 vor. Eine bereits im Herbst 1971 vorgelegte "Null-Nummer" präsentierte Texte von 34 AutorInnen, die zu dieser Zeit dem "Arbeitskreis" angehörten, darunter: Gerald Bisinger, Otto Breicha, Manfred Chobot, Barbara Frischmuth, Hermann Gail, Peter Henisch, Klaus Hoffer, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Marie Thérèse Kerschbaumer, Friederike Mayröcker, Wilhelm Pevny, Reinhard Priessnitz, Michael Scharang und Michael Springer. Unter der Leitung eines engeren Redaktionsteams, in dem zeitweilig u.a. Elfriede Gerstl, Hermann Hendrich und Peter Weibel tätig waren, erschienen bis 1975 über 20 Bände, bestehend etwa aus einem von Friedemann Bayer und Helmut Zenker verfaßten Kurzroman, Erzählungen von Günter Brödl und – nicht überraschend – einem Band mit Beiträgen aus dem Umkreis der 1969 ins Leben gerufenen Literaturzeitschrift "Wespennest", zu deren Redakteuren neben Peter Henisch und Helmut Zenker seit März 1970 auch Gustav Ernst zählte.

Nachdem sich die anfängliche kulturpolitische Initiative nach und nach auf die Aktivitäten der 1973 gegründeten "Grazer Autorenversammlung", der viele „Literaturproduzenten“ beigetreten waren, verlagert hatte, wollte der Arbeitskreis in erster Linie die eigene Reihe bei "Jugend & Volk" aufrecht erhalten, was jedoch durch Divergenzen mit dem Verlag 1975 ein Ende fand.

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Zugangsdatum 2011
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