Diese ungenaue, aber sehr anschauliche Karte illustriert den Feldzug der kaiserlichen Truppen im Jahr 1556. Nach der Eroberung von Ofen 1541 konnten sich die Osmanen in Mittelungarn festsetzen. 1556 belagerten sie die Festung Szigeth und drohten in der Steiermark einzufallen.

Die Karte gibt das Gebiet zwischen Donau, Raab und Drau wieder. Die Truppenbewegungen wurden durch punktierte Linien, die militärischen Operationen in kleinen Bildchen dargestellt und mit kurzen Texten erläutert. Die kaiserliche Armee marschierte bis Stuhlweissenburg, die osmanischen Truppen drangen von Belgrad bis Ofen und Gran vor.

Das Lager des kaiserlichen Oberbefehlshabers (Ferdinand II. von Österreich-Tirol) wurde im Raum Kanischa – Fünfkirchen eingezeichnet.

Abb.: Wolfgang Lazius, Kriegsschauplatz in Westungarn, 1556, ohne Titel, ca. 1:325.000 - 1:800.000, (Basel: Johannes Oporinus 1557), kolorierter Holzschnitt, 48 x 39 cm, ÖNB/KAR: AB 9 B 28

Die hochaktuelle Karte erschien ein Jahr nach dem Krieg mit einem extra gedruckten, kurzen Kommentar in Latein und Deutsch. In der Österreichischen Nationalbibliothek befindet sich das einzige erhaltene deutsche Exemplar „Warhaffte beschreibung deß rhumreichen von Gott verlihenen siegs wider den erbfeind der Christenhait“. Der Kartograph, Wolfgang Lazius (1514–1565), war ein überaus vielseitiger Humanist.

Er bekleidete unter Kaiser Ferdinand I. die Ämter eines Leibarztes, Rates und Hofhistoriographen. Seine große Liebe galt der Altertums- und Geschichtswissenschaft. Für die historischen Traktate benötigte Lazius immer wieder Karten, die er selbst herstellte. Lazius’ Arbeiten sind zwar vom kartographischen Standpunkt unbefriedigend (etwa ohne verlässlichen Maßstab), verfügen aber neben einem großen Reichtum an Ortsnamen über dekorative Qualitäten. Sein Hauptwerk „Typi chorographici Provi:Austriae“ (1561) stellt eine Art Atlas der österreichischen Länder und einiger Nachbargebiete dar – elf von Lazius selbst radierte und in die Form eines Doppeladlers eingefügte Karten.

Diese elf Karten sind seit 2016 Teil des österreichischen Dokumentenerbes (Memory of Austria).

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