Alchemie, Medizin, Astrologie und Astronomie waren in der frühen Neuzeit dicht miteinander verwoben. Dazu kam, gerade bei den alchemistischen Künsten, noch eine gehörige Portion Scharlatanerie. Ein gutes Beispiel für dieses Ineinandergreifen von Magie und Naturwissenschaften ist die Biographie des Astrologen und Alchemisten Leonhard Thurneisser zum Thurn (1530–1596). Zunächst Goldschmied in Straßburg, war er später im Dienst Erzherzog Ferdinands von Tirol für dessen Zink- und Bleibergwerke verantwortlich und konnte sich gute Kenntnisse auf den Gebieten des Bergbaus und der Metallurgie erwerben. Nach ausgedehnten Studienreisen erregte er enormes Aufsehen als Arzt und Wunderheiler.

Er brachte es bis zum Leibarzt des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, war für dessen Bergwerke zuständig, betrieb in Berlin einen schwunghaften Handel mit Arzneien und errichtete eine Druckerei mit Schriftgießerei. Nachdem er als Betrüger entlarvt worden war, ging Thurneisser nach Florenz, wo er es nochmals zu Ansehen brachte.

Thurneisser veröffentlichte mehrere Traktate, sein Hauptwerk ist eine krause astrologische Abhandlung „Archidoxa, darin der rechte Lauff, auch Heimlichkeit der Planeten ... an den Tag gegeben“. Zur Veranschaulichung fertigte Thurneisser acht Astrolabien für Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn sowie für Adam als Stammvater der Menschen an.

Abb.: Leonhard Thurneisser zum Thurn, Astrologisches Universalastrolabium, vor 1575, ohne Titel, Berlin? vor 1575?, Druckerei im Grauen Kloster, 8 kolorierte Holzschnitte mit drehbaren, durch Faden zusammengehaltenen Scheiben, jeweils 41 x 55,5 cm, ÖNB/Kar: K I 97080

Sie sollten Auskunft über Planetenbewegungen, Sternbilder, Glücks- und Unglückstage geben. Die Hintergrundtafel zeigt die astrologischen Häuser, Abbildungen alchemistischer Geräte und Thurneissers Wappen. Die darauf montierten drehbaren Scheiben geben die südlichen und die nördlichen Sternbilder sowie die den Planeten zugeschriebenen Eigenschaften wieder. Ein Zeiger dient der Einstellung der ekliptischen Längenposition.

Zum Katalogisat

Achtung
Lesesäle am Heldenplatz und Papyrusmuseum

Aufgrund von Dreharbeiten sind die Lesesäle am Heldenplatz sowie das Papyrusmuseum am Samstag, 2. März, ganztägig geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.

Prunksaal und Augustinerlesesaal

Aufgrund von Dreharbeiten bleibt der Prunksaal vom 27. Februar bis inklusive 12. März 2024 geschlossen.

Der Augustinerlesesaal bleibt von 27. Februar bis inklusive 8. März 2024 geschlossen.
In dieser Zeit sind Aushebungen im Prunksaal nicht möglich. Als Ersatz steht der Studienlesesaal der Sammlung von Handschriften und alten Drucken (Josefsplatz 1 im linken Gebäudeflügel, Handschriftenstiege 2. Stock) zu den regulären Öffnungszeiten zur Verfügung. Wir danken für Ihr Verständnis.