Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) wurde auch Italien zum Kriegsschauplatz. Wirich Philipp Lorenz, Graf von Daun, verteidigte 1706 Turin und wurde anschließend nach Neapel entsandt, das er 1707/1708 als Vizekönig verwaltete. Dieser, dem Grafen Daun gewidmete und kommentierte Atlasband über das Königreich Neapel enthält auf 185 Seiten braun und/oder blau lavierte Federzeichnungen sowie handschriftliche Erläuterungen. Nach einer Übersichtskarte kommen Regionalkarten, Küsten- und Inseldarstellungen, große auffaltbare Veduten sowie kleine Gesamt- und Detailansichten der Stadt Neapel und anderer Örtlichkeiten.

Abb.: Francesco Cassiano de Silva, Königreich Neapel, 1708, Regno Napolitano Anotomizzato dalla penna di D. Fran.co Cassiano de Silva Nobile Milanese …, verschiedene Maßstäbe, Neapel 1708, lavierte Tuschzeichnungen, verschiedene Größen, geschlossener Buchblock 43 x 50 cm, Taf. 91: Territorio di Pozzolo, e sue Antichità, ca. 1:40.000, westorientiert, 39,5 x 28,5 cm, ÖNB/KAR: ALB 161a

Die illustrativen Karten und Veduten Cassiano de Silvas sind heute die größte ikonographische Sammlung an Handzeichnungen des Königreichs Neapel zu Beginn der Aufklärung. Viele Gegenden und Städte wurden das erste Mal abgebildet. Die Wiedergabe der Region von Pozzuoli ist ein schönes Beispiel für den Detailreichtum und die ästhetisch sehr ansprechende Darstellung aus der Kavaliersperspektive. Hier liegen die Phlegräischen Felder, der Averner See (in der Antike der Eingang in den Hades), die Grotte der Sibylle.

Die Thermengegend um Pozzuoli war besonders im letzten vorchristlichen Jahrhundert bevorzugter Aufenthaltsort vornehmer RömerInnen geworden. Prachtvolle Villen, Gärten, das nach dem Colosseum größte Amphitheater und ausgedehnte Thermenanlagen prägten das Bild einer der reichsten Handelsstädte des römischen Imperiums. Wahrzeichen sind die gigantische Mole und die berühmte Grotte, bereits von Strabon beschrieben, die durch den Berg Posilippo führt und eine Abkürzung des Weges von Neapel nach Pozzuoli ist. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dieser Tunnel erweitert, damit Fußgänger und Viehherden nicht mehr ständig in der Dunkelheit zusammenstießen.

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