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„Geehrter, lieber herr professor“

Forschung

10.03.2017
Literatur
Die Korrespondenz von August Sauer und Bernhard Seuffert als kultur- und wissenschaftsgeschichtliche Quelle

Autorin: Desiree Hebenstreit

Der mehr als 1200 Briefe und Karten aus den Jahren zwischen 1880 und 1926 umfassende Briefwechsel zwischen August Sauer (1855–1926) und Bernhard Seuffert (1853–1938) gehört zu den bedeutendsten Germanistenkorrespondenzen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Auch wenn Seuffert 1884 noch meinte „Geehrter, lieber herr professor, Da haben Sie ganz recht, ausführlich zu schreiben ist nicht meine sache (…)“[1], dokumentiert die über 45 Jahre andauernde Korrespondenz, wie sich aus einer anfänglichen Arbeitsbeziehung zwischen den beiden sehr verschiedenen Gelehrten eine langjährige Freundschaft entwickelte. Sauer und Seuffert zählten in Deutschland und Österreich zu den einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit. Ihre Forschungsarbeiten, Publikationen und Projekte leisteten einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung und eigenständigen Profilierung der Neueren deutschen Literaturgeschichte innerhalb der Germanistik.

Brief, handschriftlich

Wissenschaftsgeschichtliche Quelle

Das vierjährige Forschungsprojekt zum Briefwechsel zwischen Sauer und Seuffert widmete sich somit einer zentralen wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Quelle. Die Korrespondenz informiert über den wissenschaftlichen und beruflichen Werdegang Sauers und Seufferts sowie über ihr akademisches Umfeld, insbesondere an den Universitäten in Würzburg, Lemberg, Graz und Prag. Sie dokumentiert die Zukunftspläne, Forschungsvorhaben, Editionen und Publikationen der beiden Gelehrten, berichtet über die Formen ihrer Zusammenarbeit und wechselseitigen Unterstützung und ist eine ergiebige Quelle für die Herausbildung und Entwicklung wissenschaftlicher Praktiken im Bereich der Neueren deutschen Literaturgeschichte.

Brief, handschriftlich

Kulturgeschichtliche Quelle

Eine Quelle stellt die Korrespondenz jedoch nicht allein für die Wissenschaftsgeschichte, sondern auch für eine länderübergreifende Kulturgeschichte dar. Sie informiert über die persönlichen Lebensumstände der Korrespondenten, über Freund- und Feindschaften mit Kollegen, soziale Beziehungen am Universitätsort, über Eheschließung und Nachkommenschaft, über Krankheiten und Reisen.

Postkarte, Vorder- und Rückseite

Projektziele

Hauptziel des Projekts war die Erarbeitung einer Druckausgabe, die eine Auswahl der wichtigsten Korrespondenzen enthält und durch einen umfangreichen Kommentar sowie ein Personen- und Werkregister erschlossen sind. Der Band mit rund 300 Korrespondenzstücken ist in Vorbereitung und erscheint voraussichtlich 2017. Parallel zur gedruckten Auswahlausgabe wurde eine » Webplattform erarbeitet, die alle Korrespondenzen in Form von Faksimiles und Transkriptionen zugänglich macht. Alle vorhandenen Texte sind dort im Volltext durchsuchbar. Die Personendatenbank ist mit weiteren digital verfügbaren Datenbanken und Quellen verknüpft. Zur Vermittlung der Inhalte wurde außerdem eine Zeitleiste entwickelt, die eine exemplarische Übersicht über das Leben der beiden Korrespondenzpartner bietet sowie ausgewählte Textstellen der Briefe herausgreift und die thematischen Zusammenhänge übersichtlich erläutert.

Daten zum  Forschungsprojekt

Projekttitel

Hybrid-Edition des Briefwechsels zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert. Ein Beitrag zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte der Germanistik in Österreich und Deutschland (1880-1926)

Finanzierung

FWF, DFG

Laufzeit

2012-2015

Projektleitung

PD Dr. Bernhard Fetz, Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Professor Hans Harald Müller, Institut für Germanistik der Universität Hamburg 

Projektpartner außerhalb der Österreichischen Nationalbibliothek

Institut für Germanistik der Universität Hamburg

Projektteam

Dr. Marcel Illetschko (Literaturarchiv, Österreichische Nationalbibliothek)

Dr. Desiree Hebenstreit (Literaturarchiv, Österreichische Nationalbibliothek)

Dr. Mirko Nottscheid (Universität Hamburg)

[1] Seuffert, Bernhard an August Sauer, Brief 2. Juni 1884. In: » Briefwechsel Sauer-Seuffert (Online), abgerufen am 22.11.2016

Achtung
Lesesäle am Heldenplatz und Papyrusmuseum

Aufgrund von Dreharbeiten sind die Lesesäle am Heldenplatz sowie das Papyrusmuseum von Freitag, 1. März ab 15 Uhr bis Samstag, 2. März, 15 Uhr geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.

Prunksaal und Augustinerlesesaal

Aufgrund von Dreharbeiten bleibt der Prunksaal vom 27. Februar bis inklusive 12. März 2024 geschlossen. Die laufende Sonderausstellung „BILD MACHT POLITIK“. Yoichi Okamoto. Ikone der Nachkriegsfotografie“ ist noch bis Sonntag, 25. Februar zu sehen.

Der Augustinerlesesaal bleibt von 27. Februar bis inklusive 8. März 2024 geschlossen.
In dieser Zeit sind Aushebungen im Prunksaal nicht möglich. Als Ersatz steht der Studienlesesaal der Sammlung von Handschriften und alten Drucken (Josefsplatz 1 im linken Gebäudeflügel, Handschriftenstiege 2. Stock) zu den regulären Öffnungszeiten zur Verfügung. Wir danken für Ihr Verständnis.