Party im Seniorenclub – Happy Birthday zum 100. Geburtstag, Alfred Böhm!

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09.03.2020
Geschichte in Geschichten
Schwarz-weiß Porträt Alfred Böhm mit beiden Daumen nach oben


Abb. 1: » Alfred Böhm 1962

Autorin: Margot Werner

25 Jahre lang, bis zum 12. September 1993, verkörperte er in mehr als 1.000 Folgen den Kellner der Nation. (Übrigens: Den Titel „Party im Seniorenclub“ gibt’s wirklich: in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek ist eine Schallplatte mit Liedern von Hilli Reschl, Alfred Böhm, Ernst Hagen, Hans Lang und Peter Wehle verfügbar. Siehe dazu die Links unter dem Beitrag.)

Dabei war Alfred Böhm ursprünglich gar nicht für seine spätere Parade-Rolle als „Club-Ober“ vorgesehen gewesen: der Produzent Ernst Hagen besetzte vorerst Kurt Sobotka mit dieser Rolle. Als dieser ein Angebot aus Hamburg erhielt folgte Alfred Böhm 1970 (nach einem kurzen Gastspiel Ossy Kollmanns) als „Ober Alfred“ nach.


Abb. 2: » Ober Alfred im Seniorenclub mit Hugo Gottschlich, im Hintergrund Hilli Reschl, 1975


Abb. 3: » Elfriede Ramhapp (sie spielte Ober Alfred’s Ehefrau), Alfred Böhm und Hilli Reschl im „Seniorenclub“, Michael Danzinger am Klavier, 1976

Alfred Böhm in Film und Fernsehen

Seine großen Fernseh- und Filmrollen machten Alfred Böhm zu einem der prominentesten Volksschauspieler seiner Zeit, unvergessen seine heute bekannteste Filmrolle in Franz Antels „Der Bockerer“ 1981, als er Alfred Hatzinger, dem typisch wienerischen, gemütlichen und meist leicht angeheiterten Tarockpartner Karl Bockerers im ersten Teil der Filmreihe Persönlichkeit verlieh.

Jugenderinnerungen werden auch wach bei der letzten großen Fernsehserie mit Alfred Böhm: wunderbar dem ihm zugeschriebene Charakter als Volksschauspieler entsprach die Rolle des Waldemar Herzog, einem kinderlieben Pensionist, in der sehr erfolgreichen, von 1985 bis 1989 ausgestrahlten Fernsehserie „Der Leihopa“ nach Büchern von Silke Schwinger.

Alfred Böhm war von Beginn des Fernsehzeitalters in Österreich an eng mit diesem neuen Medium verbunden und verdankt Rollen wie jener des verfressenen Schwiegersohns Walter Riegler in der Stegreifsendung „Fernsehfamilie Leitner“, ausgestrahlt von 1958-1967 sowie der Serie „Der Untermieter“ mit Otto Schenk (1964-1967) seine enorme Popularität.

Arbeiterkind aus Favoriten

Weniger bekannt sind heute Alfred Böhms Herkunft und seine ersten Erfolge als Schauspieler in den Fußstapfen seiner beiden älteren Brüder:

Alfred Böhm wuchs in sehr einfachen Verhältnissen in der Laxenburgerstraße 111, im 10. Wiener Gemeindebezirk auf. Die Eltern, Mutter Maria und Vater Franz, seine älteren Brüder Franz (geb. 1909), Alexander (geb. 1912) und Karl (geb. 1917), sowie die pflegebedürftige, aus Polen stammende Großmutter teilten eine kleine Wohnung mit Zimmer, Küche, Kabinett. Der Vater arbeitete als Metalldreher, war zeitweise arbeitslos und in die Februaraufstände 1934 involviert. Die Mutter besserte das knappe Familieneinkommen mit Heimarbeit als Weißnäherin sowie Reinigungsarbeiten auf.

Mit der Theaterwelt kam Alfred Böhm schon früh in Kontakt: der Vater arbeitete gelegentlich aushilfsweise im Theater Scala und die beiden älteren Brüder Karl und Franz strebten eine Schauspielkarriere an. So kam es, dass sich Alfred Böhm schon als Jugendlicher ein kleines Zubrot als Claqueur im Theater an der Wien und im Kabarett Simpl verdiente. Seine glückliche, wenn auch von wirtschaftlicher Not geprägte Kindheit und Jugend schildert Alfred Böhm mit allerlei Anekdoten aus der damaligen Vorstadt in seinen von Dolf Lindner aufgezeichneten Lebenserinnerungen „Mit besten Empfehlungen. Ihr Alfred Böhm“.

Angesichts der unsicheren Zeiten in den 1930er-Jahren und der materiellen Situation der Familie bestand der Vater auf einem „ordentlichen“ Beruf für seinen Nachwuchs und vermittelte ihm eine Lehre als Feinmechaniker, die Sohn Alfred auch erfolgreich als Geselle abschloss. Gearbeitet hat er in diesem Beruf jedoch nach Lehrabschluß nie.

Schauspielerfahrungen an der Front

Schon kurz vor seinem 18. Geburtstag, zu Jahresbeginn 1938, meldete sich Alfred Böhm zum Präsenzdienst, um nach seinen eigenen Aussagen, „die Sache rasch hinter sich zu bringen“. Der „Anschluß“ im März 1938 machten diese Pläne zunichte. Am 1. Dezember 1938 wurde Böhm zur Deutschen Wehrmacht eingezogen und war die gesamte Zeit des 2. Weltkriegs an verschiedenen Schauplätzen in Polen, der Tschechoslowakei, Belgien, Frankreich und zuletzt in Russland im Einsatz. Sein komödiantisches Talent führte dazu, dass er ohne jede Schauspielausbildung rasch zur „kulturellen Betreuung“ seiner Einheit auserkoren wurde und zahlreiche Sketches und Theateraufführungen an der Front gestaltete. Konsequenterweise gab er demzufolge im Jahr 1944, als er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, als Beruf „Schauspieler“ an und landete im Lager-Theater, wo er einige Bühnenerfolge verzeichnete.

Ende 1945 wurde Böhm aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte zufällig am Tag genau gleichzeitig mit seinen drei Brüdern, zu denen er jahrelang keinen Kontakt hatte, am 13. November 1945 aus der Kriegsgefangenschaft heim.

Vom „Jugendlichen Komiker“ zum Publikumsmagnet

Nun schienen die Weichen in Richtung Schauspielausbildung tatsächlich gestellt gewesen zu sein und Böhm begann, da die Ausbildung rasch abgeschlossen sein sollte, nicht am Reinhardt Seminar sondern in der Schauspielschule Konservatorium Prayner, wo unter anderem Waltraud Haas zu seinen MitstudentInnen zählte. Bereits nach einem Jahr war die Ausbildung abgeschlossen und Böhm tingelte mit kabarettistischen Programmen durch Gasthöfe und Wirtshäuser. Über Vermittlung seines Bruders Franz kam er zu Kabarettbühnen in Innsbruck und Linz und ergattere schließlich sein erstes Theaterengagement am Linzer Landesthetaer in der Spielsaison 1947/48, als „jugendlicher Komiker“. Eine seiner ersten Kritiken aus der Linzer Zeit (Premiere der „Manina“ einer Operette von Nico Dostal) erwies sich als zutreffende Prophezeiung:

„Von Alfred Böhm war diesmal noch wenig zu sehen, doch dieses Wenige läßt für später mehr erwarten“.

Am Linzer Landestheater lernte er auch die dort als Tänzerin engagierte Traude Jerzö kennen, die er 1951 heiratete.

Es folgten ein langjähriges Engagement am Theater in der Josefstadt, Böhm war Mitglied im Ensemble des Kabarett Simpl und Star von unzähligen Komödien in den Kammerspielen. Gastspiele und Engagements bei den Salzburger Festspielen und Ausflüge in die Volksoper erweiterten seinen Bekanntheitsgrad als Theaterschaupieler. Böhm spielte mit allen namhaften KollegInnen der Zeit, Karl Farkas, Ernst Waldbrunn, Otto Schenk, Elfriede Ott, Heinz Conrads, Hans Moser, Waltraut Haas, Erni Mangold – um nur einige zu nennen.


Abb. 4: » Alfred Böhm, um 1960

Die Böhm-Brüder

Heute weitgehend vergessen ist die Karriere seiner beiden Brüder Franz Böhm (Künstlername „Franz Böheim“) und Karl Böhm (Künstlername „Carlo Böhm“) mit denen er gelegentlich gemeinsam auftrat, so z.B. in Sketches für die Programmvorschau des ORF 1955/56 und in mehreren Theaterproduktionen. Franz Böheim (24.6.1909 - 24.3.1963) war Ensemblemitglied des Burgtheaters und Carlo Böhm (18.4.1917 - 2.4.1997) spielte am Wiener Volkstheater, an der Wiener Volksoper und am Theater in der Josefstadt. (Dazu eine kleine Anmerkung am Rande: Carlo Böhm ist vielen vermutlich unbekannter Weise ein Begriff: Er spielte in der legendären Silvesterfolge von „Ein echter Wiener geht nicht unter“ den Nachbarn Herrn Gebauer, dem Mundl Sackbauer alias Karl Merkatz die Rakete ins Fenster schießt.)


Abb. 5: » Johann Nestroy, Lumpacivagabundus: Szenenbild mit Eduard Loibner als "Knieriem", Emil Stoehr als "Zwirn" und Carlo Böhm als "Leim" (vlnr.)


Abb. 6: » Franz Böheim und Ernst Waldbrunn vor dem Mikrophon des Senders Radio 'Rot-Weiß-Rot' in Wien

Alfred Böhm starb am 22.9.1995 im 76. Lebensjahr überraschend an den Folgen eines Herzinfarkts.

Er war Träger des großen Ehrenzeichens der Republik Österreich, des großen Verdienstzeichens der Republik Österreich sowie zahlreicher Publikumsehrungen wie z.B. der „Romy“. Böhm ist in Wieselburg begraben, in Wien ist der » Alfred-Böhm-Park unweit des Grätzels seiner Kindheit in Favoriten nach dem beliebten Schauspieler benannt.

In diesem Sinne, um es mit Alfred Böhms Abschiedsworten im Seniorenclub zu sagen: „Sehr geehrte Damen und Herren, leider müss‘ ma jetzt sperren. Dabei war's grad heut so schöööön, wer denkt da schon ans nachhause geeehn!“

Über die Autorin: Mag. Margot Werner ist Leiterin der Hauptabteilung Benützung und Information der Österreichischen Nationalbibliothek

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» Nachruf in den Oberösterreichischen Nachrichten („Erweitere Suche“, Person: Alfred Böhm, kostenfrei für eingeloggte JahreskartenbesitzerInnen)

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» Neue Zeit vom 23. April 1948
» Österreichische Volksstimme vom 30. April 1947
» Oberösterreichische Nachrichten vom 27. Dezember 1948
» Das kleine Volksblatt vom 28. Juli 1940 (Beitrag über Alfred Böhms Bruder Franz Böheim)
» Mein Film, 1939, Heft 18 (Beitrag über Alfred Böhms Bruder Franz Böheim)
» Die Bühne, 1940, Heft 1 (Beitrag über Alfred Böhms Bruder Franz Böheim)

  • Bildmaterial digital

» Div. Bilder im Bildarchiv Austria (Suche „Alfred Böhm“)
 

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» Sig. S4596-c Schallplatte Party im Seniorenclub
» Sig. 1.490.058 C. Neu: Leben in Wien: das Magazin für ältere Wienerinnen und Wiener - Wien gestern, heute, morgen, 3/89
» 893.311-E. Neu-Per: Kurier vom 4.10.95 (Zum Begräbnis)
» 893.311-E. Neu-Per: Kurier, 23.9.1995 (Nachruf)
» Sig. 1290629-B The: Mit besten Empfehlungen, Ihr Alfred Böhm: Erinnerungen & Anekdoten, aufgezeichnet von Dolf Lindner, 1988
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