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150 Jahre Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition (1872-1874)

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01.09.2022
Kurz und Fündig
Gemälde eines Begräbnisses im Eis

Frage: Auf ihrer berühmten Nordpolexpedition der Jahre 1872-1874 haben die beiden Forscher Julius Payer und Carl Weyprecht ihre Erlebnisse und Beobachtungen in Form von Berichten und Zeichnungen festgehalten. Wo kann ich diese Quellen finden?

Vor 150 Jahren, im Sommer 1872, brachen Julius Payer und Carl Weyprecht auf, um mit dem Segelschiff „Admiral Tegetthoff“ das Nördliche Eismeer zu erkunden. Wir recherchieren nach den Aufzeichnungen und Berichten der Schiffsbesatzung – kommen Sie mit uns auf Entdeckungsreise! 

Wie wird’s gemacht? Unser Rechercheweg Step by Step:

•    Step 1: Suche nach Bildmaterial

Wir beginnen unsere Recherche mit der Suche nach Bildern. Das Portal ÖNB Digital enthält digitalisierte Objekte, darunter nicht nur Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch Bilder und Karten. 

Mit den Suchbegriffen Julius Payer, Carl Weyprecht und Nordpolexpedition erhalten wir zahlreiche unterschiedliche Materialien: 

Abb. 1: Recherche in ÖNB Digital, Ergebnisse nach Kategorie „Bild“ gefiltert

Die Payer-Weyprecht-Expedition startete im Juni 1872 von Bremerhaven. Nach einem Zwischenstopp im norwegischen Hafen Tromsø, bei dem der Kapitän Olaf Carlsen an Bord kam, stach die „Admiral Tegetthoff“ mit nun vollständiger, 24-köpfiger Besatzung sowie einigen Schlittenhunden in See. 

Ziel der Expedition war die nähere Erforschung des Nordpolarmeeres. Das Schiff war mit Lebensmitteln und Ausrüstung für etwa 3 Jahre beladen worden. Geleitet wurde die Forschungsreise von Julius Payer und Carl Weyprecht, wobei Payer für die Land- und Weyprecht für die Schiffsexpeditionen zuständig war.

Abb. 2: Julius Payer und Carl Weyprecht, 1872

Im August traf die Admiral Tegetthoff auf das Schiff Isbjörn, auf dem sich Graf Hans Wilczek, ebenfalls Polarforscher und wichtiger finanzieller Förderer der Payer-Weyprecht-Expedition, befand. Einige Tage war die beiden Schiffe gemeinsam unterwegs, dabei wurde auch ein Lebensmittellager für Notfälle auf der Barentsinsel angelegt. Aus dieser Zeit stammen die folgenden Aufnahmen der Tegetthoff: 

Abb. 3: Das Schiff Admiral Tegetthoff, 1872
Abb. 4: Die Admiral Tegetthoff, 1872

Ende August 1872 blieb die Tegetthoff im Eis stecken. Trotz größter Bemühungen gelang es der Besatzung nicht, das Schiff aus dem Eis zu befreien. Die Strömung trieb das vom Packeis umschlossene Segelschiff immer weiter ab.

Abb. 5: Die Tegetthoff im Packeis treibend, 1873

Erst nach einem Jahr, am 30. August 1973, sichtete die Schiffsbesatzung endlich wieder Land: die Inselgruppe wurde „Franz-Josef-Land“, nach Kaiser Franz Joseph I., benannt. 

Die erste Insel, die vom Expeditionsteam betreten wurde, erhielt den Namen Wilczek-Insel. In den folgenden Monaten wurden Schlittenreisen und Wanderungen unternommen, um die neu entdeckten Inseln zu erforschen.

Vor allem Julius Payer fertigte zahlreiche Karten und Zeichnungen von Franz-Josef-Land an:

Abb. 6: Franz-Josef-Land, 12. / 13. März 1874
Abb. 7: Endgültige Karte von Franz-Josef-Land, um 1880

Payer dokumentierte außerdem die auf den Exkursionen gewonnen Erkenntnisse hinsichtlich der Landschaft, der einheimischen Tiere und der klimatischen Gegebenheiten.

Doch die extremen Bedingungen der Reise – vor allem die enorme Kälte – setzten der Schiffsbesatzung schwer zu und wirkten sich auf deren Gesundheitszustand aus. Im März 1874 starb der Maschinist Otto Krisch nach monatelanger Krankheit.

Abb. 9: Begräbnis des Maschinisten Krisch, 1874

Schließlich beschlossen Payer und Weyprecht, die Tegetthoff nach Beendigung der geplanten Schlittenreisen zu verlassen, um nach einem Rückweg zum europäischen Festland zu suchen. Im Mai 1874 wurde das Schiff im Eis zurückgelassen und die Besatzung trat mit Booten und Schlitten den beschwerlichen Weg über das Eis an.

Abb. 10: Verlassen der Tegetthoff, Mai 1874

Die ohnehin schon mühevolle Reise wurde durch ungünstigen Wind noch zusätzlich erschwert, so dass die Expeditionsgruppe mit dem Eis wieder zurück in die Richtung des Schiffs getrieben wurde. Payers berühmtes Gemälde "Nie zurück" zeigt Weyprecht, dem es gelingt, die erschöpfte und verzweifelte Mannschaft zur Weiterreise zu bewegen.

Abb. 11: „Nie zurück“, nach dem Gemälde von Julius Payer, das sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien befindet

Im August erreichten die Expeditionsteilnehmer das offene Meer und setzten den Weg in den mitgebrachten Ruderbooten fort. Nach einigen Tagen wurden sie schließlich von Fischern gefunden und zum norwegischen Hafen Vardø gebracht.

Am 25. September 1874 kehrten die Teilnehmer der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition nach Wien zurück, wo sie mit großem Jubel empfangen wurden. 

  • Step 2: Recherche nach Aufzeichnungen Payers und Weyprechts

Detaillierte Informationen zur Forschungsreise und Berichte aus erster Hand erhalten wir aus den Aufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer. In ÖNB Digital finden wir bei der Suche nach Julius Payer u.a. Payers 1876 veröffentlichte Publikation zur Nordpolexpedition:

Dieses Buch wurde bereits digitalisiert und kann vollständig und kostenfrei online gelesen werden.

Payer hat in diesem Werk den genauen Verlauf der Expedition dokumentiert. Enthalten sind außerdem umfangreiche Aufzeichnungen zu verschiedenen Forschungsgebieten wie der Temperatur oder den Polarlichtern sowie Listen zum aktuellen Vorrat an Lebensmitteln und Ausrüstungsgegenständen. Das Werk bietet darüber hinaus Einblicke in den Alltag der Schiffsbesatzung.

Enthalten sind auch zahlreiche Illustrationen: festgehalten hat Payer neben landschaftlichen Besonderheiten und einheimischen Lebewesen auch einzelne Ausrüstungsgegenstände, die das Expeditionsteam zur Erforschung der Inseln einsetzte. Enthalten sind außerdem Darstellungen der Expeditionsgruppe an verschiedenen Stationen der Reise sowie auch Porträts einzelner Besatzungsmitglieder. 

Abb. 12: „Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition in den Jahren 1872-1874“ von Julius Payer, 1876

Wir setzen unsere Recherche im Bestandskatalog » QuickSearch fort, um auch die physischen Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek miteinzubeziehen.

Abb. 16: Ausschnitt aus der Ergebnisliste in » QuickSearch

Auch Carl Weyprecht hat seine Forschungsergebnisse schriftlich festgehalten, so dass diese von uns nachgelesen werden können. Noch nicht digitalisierte Bücher können vor Ort in den Lesesälen gelesen werden.

Der Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek umfasst außerdem Archivmaterial mit Bezug zur Payer-Weyprecht-Expedition, so u. a. zahlreiche Korrespondenzen Julius Payers sowie das Tagebuch des während der Expedition tragischerweise verstorbenen Maschinisten Otto Krisch.

  • Step 3: Suche nach Zeitungsbeiträgen aus dem Jahr 1874

Abschließend recherchieren wir noch nach historischen Zeitungsberichten zur Payer-Weyprecht-Expedition. In » ÖNB Digital ist auch eine Volltextsuche möglich: wir suchen mit dem Begriff Nordpolexpedition, wählen den Medientyp „Zeitung“ und schränken den Zeitraum auf das Jahr 1874 ein.

Auf diese Weise finden wir die Ausgabe des „Neuen Fremden-Blatts“ vom 4. September 1874, die der Bevölkerung die gute Nachricht von der Ankunft der Expeditionsteilnehmer in Norwegen mitteilt: 

Wir setzen die Recherche in » ANNO, einem Portal, das digitalisierte historische Zeitungen und Zeitschriften enthält und über besondere Suchmöglichkeiten für diese Medientypen verfügt, fort. In » ANNO können wir über die „Jahresübersicht“ einen bestimmten Tag – beispielsweise den 25. oder 26. September 1874 – auswählen und erhalten eine Übersicht der an diesem Tag erschienenen verfügbaren Ausgaben:

Abb. 18: Ausschnitt aus der Ergebnisliste der in » ANNO vorhandenen Zeitungen vom 25. September 1874

Hier finden wir u.a. das „Illustrirte Wiener Extrablatt“, auf dessen Titelseite Payer und Weyprecht abgebildet sind:

Wer schließlich Eindrücke vom herzlichen Empfang und großen Jubel bei der Rückkehr der Expeditionsteilnehmer nach Wien erhalten möchte, wird in der „Neuen Freien Presse“ fündig:

Die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition leistete nicht nur einen großen Beitrag zur Erforschung des Nordpolarmeeres. Das Schicksal der zwei Jahre lang im Eis gefangenen Expeditionsteilnehmer inspirierte auch zu Musikstücken, literarischen Werken und Gemälden. Die Österreichische Nationalbibliothek widmete der Payer-Weyprecht-Expedition bereits 1973 eine Ausstellung im Prunksaal. Der dazugehörige » Ausstellungskatalog verzeichnet viele weitere Werke mit Bezug zur Expedition.

Auch nach 150 Jahren besteht großes Interesse an der von Payer und Weyprecht geleiteten Nordpolexpedition und den zahlreichen historischen Objekten, die diese wichtige Forschungsreise dokumentieren. Wenn auch Sie weitere interessante Materialien entdecken möchten, setzen Sie die Recherche fort – in unseren digitalen Beständen oder vor Ort in den Lesesälen der Österreichischen Nationalbibliothek.

Können wir Ihnen bei Recherchen helfen? Kontaktieren Sie unsere Bibliotheksexpert*innen:

Abt. Kundenservices, Leserberatung und Schulungsmanagement
Josefsplatz 1
1015 Wien

Persönlich: Mo.– Fr. 9.00 – 21.00 Uhr
Tel.: +43 1 534 10-444
information[at]onb.ac.at

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