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Regelwerke

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Ressourcenerschließung mit Normdaten in Archiven und Bibliotheken (RNAB)

Ziel der RNAB ist es, Regeln zur Erzeugung von Datensätzen zu Beständen (Personen-, Familien- und Körperschaftsarchiven sowie Sammlungen) in ihrer Gesamtheit und in ihren Teilen sowie ihren Inhalten bereitzustellen und dabei Standards wie DACS, EAD, ISAD(G) und RDA zu berücksichtigen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Verwendung von Normdaten (GND und ISO-Normen) und kontrolliertem Vokabular. Fokussiert werden zudem Begriffe und Definitionen für die Kennzeichnung der Beziehungen von Akteurinnen und Akteuren zu Ressourcen und von Ressourcen zu Werken.
Zum Aufbau: Die Richtlinie definiert wesentliche Begrifflichkeiten und liefert allgemeine Vorgaben zum praktischen Umgang mit Beständen (Bestimmen und Ordnen / Verzeichnen). Die 22 Regeln sind mit zahlreichen anschaulichen Beispielen aus bibliothekarischen und archivischen Kontexten angereichert. Im Anhang finden sich u.a. kontrollierte Vokabulare und ein ausführliches Glossar.
Die RNAB sind zwischen 2014 und 2019 in Zusammenarbeit von Österreichischer Nationalbibliothek, Schweizerischer Nationalbibliothek und der Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz entstanden. Unterstützt wurde das Redaktionsteam im Kern von der Arbeitsgruppe "RNA/RDA". Die AG wurde eingesetzt vom Standardisierungsausschuss in Frankfurt/Main, der das Regelwerk im Januar 2019 einstimmig verabschiedet hat. Die RNAB, die seit dem 16. Mai 2019 auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek online zur Verfügung steht, löst somit das bisher verbindliche Regelwerk RNA ab.
Website: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:101-2019051405


 

Allgemeine Prinzipien

Unter diese Gruppe fallen Regelwerke, deren Ziel es ist, theoretische Vorarbeiten und Postulate zur Begründung und Ableitung von Prinzipien und Anforderungen zu formulieren. Diese Standards sollen bei der Entwicklung konkreter Regelwerke berücksichtigt werden. Sie sollen auch Übereinstimmungen zwischen Regelwerken erklären und für zukünftige Entwicklungen Kohärenz gewährleisten.


CIDOC-CRM
CIDOC Conceptual Reference Model
Dabei handelt es sich um einen über viele Jahre entwickelten Standard, im speziellen um eine formale Ontologie, mit dem unterschiedliche Informationen aus dem Bereich des kulturellen Erbes integriert, vermittelt und ausgetauscht werden können. Dieser Standard ist geschaffen worden, um verschiedene veröffentlichte Quellen von Museen, Bibliotheken und Archiven zu integrieren.
Urheber: ICOM; CIDOC Documentation Working Group (DSWG)
Website: http://cidoc-crm.org/

ICP
Statement of International Cataloguing Principles
Der ICP-Standard löste 2009 die "Paris Principles" ab. Die ICP weiten den Blick auf alle Typen von Materialien und auf alle Aspekte des Gebrauchs von bibliographischen und Normdaten in Bibliotheken.
Urheber: IFLA
Website: http://www.ifla.org/files/cataloguing/icp/icp_2009-en.pdf

FRAD
Functional Requirements for Authority Data (früher FRAR)
Ähnlich wie FRSAD, nur dass hier alle Normdaten (Personen, Sachen etc.) fokussiert werden.
Urheber: FRBR Review Group (IFLA Cataloguing Section)
Website: http://www.ifla.org/en/node/2016

FRBR
Functional Requirements for Bibliographic Records
FRBR definiert eine Reihe von grundlegenden Konzepten für die Katalogisierung. FRBR ist kein eigenes bibliothekarisches Regelwerk, sondern ein Modell, auf dessen Konzepte sich andere Standards (zum Beispiel RDA) abbilden lassen. Wesentliche Leistung von FRBR ist, grundlegende Begriffe wie "Werk", "Ausgabe" oder "Exemplar" zu definieren.
Urheber FRBR Review Group (IFLA Cataloguing Section)
Website http://www.ifla.org/en/node/2016

FRSAD (früher FRSAR)
Functional Requirements for Subject Authority Data
Setzt die Arbeit von FRBR fort, in dem der Standard das Augenmerk auf die Verwendung von Normdateien in der bibliographischen Welt legt. Es geht darum, eine globale Nutzung von Normdateien für die Inhaltserschließung zu ermöglichen.
Urheber: FRBR Review Group (IFLA Cataloguing Section)
Website: http://www.ifla.org/en/node/2016

Paris Principles
Darunter versteht man die 1961 anlässlich der bedeutenden "International Conference on Cataloging Principles" in Paris verabschiedeten Grundsätze des Katalogisierens (statement of principles). Heute sind sie als "Paris Principle" oder "IFLA principles" bekannt. Diese Regeln waren überhaupt die ersten mulitnationalen Übereinkünfte auf denen alle weiteren internationalen Entwicklungen im Bereich der Katalogisierung basieren.
Urheber: ICCP


Deskriptive Regelwerke

Anglo-American Cataloguing Rules (AACR2)
Das Regelwerk für die Formalerschließung wurde erstmals 1967 verabschiedet. Die jüngste Revision erfolgte 2002. AACR2 ist das weltweit am weitesten verbreitete Regelwerk für bibliothekarische Erschließung. Als Nachfolgeformat von AACR2 ist die RDA vorgesehen.
Urheber: American Library Accociation
Website: http://www.aacr2.org/

DACS
Describing Archives. A Content Standard
Dieses Regelwerk wurde 2004 von der "Society of American Archivists" veröffentlicht. Es ist ein Standard für die Beschreibung von Archiven, Nachlässen, Manuskriptsammlungen und alle anderen Materialarten. DACS bietet sowohl spezifische Regeln für die Beschreibung von Archiven wie es auch die mögliche Implementierung in MARC und EAD illustriert. Das Regelwerk bietet "crosswalks" zu diesen und anderen Standards.
Urheber Society of American Archivists
Website: https://www2.archivists.org/groups/technical-subcommittee-on-describing-archives-a-content-standard-dacs/describing-archives-a-content-standard-dacs-second- (kein Volltext)

Dublin Core (DC)
Die Dublin Core Metadata Initiative (DCMI) ist ein offenes Forum, das auf ein 1995 in Dublin / Ohio abgehaltenes Workshop zurckgeht. Zentrales Ziel ist die Entwicklung von Online-Metadaten-Standards zur Beschreibung von Internet-Ressourcen zwecks Recherche und Retrieval. Zu diesem Zweck wurde das Metadaten-Set Dublin Core (DC) erarbeitet, das in der aktuellen Version 1.1 aus 15 Elementen besteht (Titel, Verfasser oder Urheber, Thema und Stichwörter, inhaltliche Beschreibung, Verleger bzw. Herausgeber, weitere beteiligte Personen und Körperschaften, Datum, Ressourcenart, Format, Ressourcen-Identifikation, Quelle, Sprache, Beziehung zu anderen Ressourcen, räumliche und zeitliche Maßangaben, rechtliche Bedingungen).

General International Standard Archival Description (ISAD(G))
Die General International Standard Archival Description (ISAD(G)) ist ein archivarischer Erschließungsstandard, der von einer Arbeitsgruppe des International Council on Archives (ICA) erarbeitet und 1993 als Standard akzeptiert wurde. Seit 2000 liegt ISAD(G) in einer zweiten, revidierten Auflage vor. Der Standard bezieht sich im wesentlichen auf die Beschreibung einer hierarchisch strukturierten Erschließung, die Angaben auf verschiedenen Erschließungsebenen vorsieht. Auf jeder Ebene gibt es mögliche Erschließungseinheiten, wobei die unterste von den Einzelstücken gebildet wird. Zudem wurden 24 Datenelemente zur Beschreibung der archivarischen Einheiten definiert. Nationale Umsetzungen: D-A-CH.

International Standard Archival Authority Record for Corporate Bodies, Persons, and Families (ISAAR (CPF))
Dabei handelt es sich um einen Standard für Normdateien im Archivbereich. Diei erste Ausgabe wurde 1996 publiziert, die zweite, aktuelle Ausgabe stammt aus dem Jahr 2004. Der Standard regelt die Beschreibung von Aktenbildnern, damit können Herkunft (Provinienz), Kontext und Gebrauch archivischer Untererlagen dokumentiert werden.
Urheber: International Council on archives
Website: https://www.ica.org/en/isaar-cpf-international-standard-archival-authority-record-corporate-bodies-persons-and-families-2nd

International Standard Bibliographic Description (ISBD)
Die ISBD ist ein Regelwerk, welches von der IFLA betreut wird. Dieses Regelwerk ermöglicht die Beschreibung von Bibliotheksmaterialien im Zusammenhang mit der bibliothekarischen Erfassung. Die letzte Version der ISBD wurde 2007 vorgestellt. Bei der IFLA gibt es eine eigene Arbeitsgruppe, die für die Weiterentwicklung der ISBD verantwortlich ist. Der ursprüngliche Kerngedanke hinter der ISBD war es, einen bibliographischen Standard für den internationalen Datenaustausch zu entwickeln.
Urheber: IFLA
Website: http://www.ifla.org/en/publications/international-standard-bibliographic-description

Records in Contexts (RiC)
Records in Contexts (RiC) ist ein umfassender archivischer Verzeichnungsstandard. Entwickelt wird er seit 2012 von der durch den International Council of Archives (ICA) eingesetzten Expert Group on Archival Description. RiC soll an die Stelle der bisherigen ICA-Standards ISAD(G), ISAAR(CPF), ISDF und ISDIAH treten.
Der neue Standard baut auf dem graphbasierten Datenmodell RDF (Resource Description Framework) auf und ermöglicht so eine deutlich freiere Repräsentation von Beziehungen zwischen Verzeichnungseinheiten als eine monohierarchische Baumstruktur, wie sie noch ISAD(G) zugrunde liegt. Mit RiC lassen sich damit auch komplexere Verhältnisse abbilden, die sich beispielsweise durch temporäre oder plurale Zugehörigkeiten ergeben.
RiC besteht aus zwei Teilen: einem konzeptuellen Modell (RiC-CM) und einer Ontologie (RiC-O), in welcher die im Modell definierten Begriffe und Beziehungen formal beschrieben werden. Das geschieht mit Hilfe der auf der RDF-Syntax basierenden Web Ontology Language (OWL).
Eine erste, noch nicht abgeschlossene Fassung von RiC-CM wurde im September 2016 bekanntgegeben. Im Januar 2019 folgte eine Beta-Version von RiC-O. Eine überarbeitete Fassung des konzeptuellen Modells soll im Laufe des Jahres 2019 erscheinen.
Urheber: International Council on Archives, Expert Group an Archival Description.
Website: https://www.ica.org/en/about-egad

Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK)
Die Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) regeln die Inhaltserschließung von Bibliotheksbeständen durch die Schlagwortkatalogisierung. Ausgangspunkt ist die Praxis der Deutschen Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek und der Bibliotheksverbünde, die ihre Bestände unter Nutzung der Gemeinsamen Normdatei (GND) erschließen. Die RSWK liefern ein syntaktisches Verfahren, die Schlagwörter, die den dokumentenspezifischen Zusammenhängen entsprechen, zu Schlagwortfolgen verknüpfen. Bei den Personennamen, Körperschaften und Geographika orientieren sich die RSWK an den Regeln für die alphabetische Katalogisierung (RAK), wobei sie in allen drei Fällen dem deutschen Sprachgebrauch den Vorzug geben.

Resource Description and Access (RDA)
Im Rahmen der Internationalisierung der deutschen Standards hat der Standardisierungsausschuss im Mai 2012 beschlossen, den internationalen Standard "Resource Description and Access (RDA)" in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz einzuführen. Grundlagen der RDA sind die Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) und die Functional Requirements for Authority Data (FRAD) sowie das Statement of International Cataloguing Principles (ICP) und künftig auch die Functional Requirements for Subject Authority Data (FRSAD) der IFLA.
Auch wenn bislang der Schwerpunkt zunächst auf der Erschließung bibliothekarischer Materialien liegt und der Standard aus dem bibliothekarischen Umfeld heraus entwickelt wurde, ist RDA grundsätzlich auch zur Beschreibung von Materialien und Ressourcen aus Archiven und Museen gedacht und geeignet. Der Standard ist in erster Linie als Online-Produkt konzipiert und wird als Teil des sogenannten RDA Toolkits angeboten. Es gibt darüber hinaus auch eine Printausgabe. Der Standard steht in der Zwischenzeit in mehreren Sprachen, darunter auch in Deutsch, zur Verfügung.
Ein eigenes Projekt für die Implementierung der RDA in den im Standardisierungsausschuss vertretenen Institutionen wurde im Januar 2012 begonnen und führt in einem kooperativen Verfahren die Einführung des Standards RDA im deutschen Sprachraum durch. Die Normdaten der Gemeinsamen Normdatei (GND) werden ab April 2014 und die Titeldaten spätestens ab Mitte 2015 nach RDA erfasst werden.
Urheber: Joint Steering Committee
Web: http://www.rda-jsc.org/rda.html

Ressourcenerschlie├čung mit Normdaten in Archiven und Bibliotheken (RNAB) siehe oben

Rules for archival description (RAD)
RAD ist der Kanadische Standard für archivalische Erschließung. Es regelt die Beschreibung von Archivmaterialien in mehrstufiger Umgebung, gibt Regeln vor für unterschiedliche Archivmaterialen etc. Die Objektbeschreibungung basieren auf den AACR2. Das Regelwerk wurde erstmals 1990 veröffentlicht und 2008 in einer erneuerten Ausgabe vorgelegt.
Urheber: Canadian Commitee on Archival Description of the Canadian Council of Archives
Website: http://www.aacr2.org/


Historische Regelwerke und Standards

Preussische Instruktionen (PI)
Sie wurden 1899 unter dem Titel "Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preussischen Bibliotheken und für den preussischen Gesamtkatalog" erstmals veröffentlicht. Sie regelten die formale bibliothekarische Erschließung. Die PI wurden von RAK abgelöst.

Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken (RAK-WB)
Die RAK-WB sind das zur Zeit maßgebliche deutsche Regelwerk für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken. Zentral enthalten sie Bestimmungen über die Ansetzung von Personen- und Körperschaftsnamen, die Ansetzung und Bestimmung des Einheitssachtitels, Haupt- und Nebeneintragungen unter Personen, Körperschaften und Sachtiteln, die Bestimmung des Sachtitels oder des Titels für Haupt- und Nebeneintragungen und die Ordnung der Eintragungen. Das Regelwerk liegt gedruckt vor: Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken. RAK-WB. 2., überarb. Ausg. Wiesbaden: Reichert 1995. Für die Katalogisierung von Nachlaß- und Autographenbeständen sind die RAK-WB insofern relevant, als sich die Vereinheitlichung der relevanten Daten, die das Regelwerk RNA (Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen) vorgibt, nach den RAK-WB zu richten hat.
Auf Beschluss des Standardisierungsausschusses vom 6. Dezember 2001 werden die Regelwerke zur Formalerschließung nicht mehr weiter entwickelt (später abgelöst durch RDA).

Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen (RNA)
Mit dem 1997 erschienenen Regelwerk RNA, das in einer Vorform schon 1991 in "Der Einsatz der Datenverarbeitung bei der Erschließung von Nachlässen und Autographen" (Deutsches Bibliotheksinstitut) vorlag, verband sich der Anspruch, die Erfassung autographischer Materialien, die sich als Werkmanuskripte, Korrespondenzen, Lebensdokumente und Sammlungen in Nachlassbeständen finden, zu vereinheitlichen. Die RNA bildeten die methodische Grundlage f├╝r Erschließungsmaßnahmen, die im Rahmen des DFG-Förderprogramms "Kulturelle Überlieferung" gefördert wurden. Zudem sprach die VÖB-Kommission für Nachlassbearbeitung eine Empfehlung zur Anwendung in Österreich aus. Zur redaktionellen Betreuung und Weiterentwicklung haben die Staatsbibliothek zu Berlin und die Österreichische Nationalbibliothek, Wien, im Jahr 2002 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Verabschiedung einer komplett überarbeiteten Neufassung erfolgte im Frühjahr 2010 unter Einbindung des Standardisierungsausschusses der Deutschen Nationalbibliothek (provisorisch korrigierte Fassung von 2015). Im Frühjahr 2019 wurden die RNA durch die RNAB abgelöst.