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1920: Die Hofbibliothek wird Nationalbibliothek


Mit dem Ende der Donaumonarchie verliert die Hofbibliothek ihren Rechtsträger. Die Sammlungen, die bisher als kaiserlicher Privatbesitz gegolten hatten, werden ins Eigentum der Republik übernommen. Auch die Fideikommissbibliothek, die private Familienbibliothek des Hauses Habsburg, wird in die Nationalbibliothek eingegliedert, bleibt aber – bis heute – geschlossen auf einem separaten Standort in der Porträtsammlung aufgestellt.

Nach längeren Diskussionen über die zukünftige Benennung der ehemaligen kaiserlichen Bibliothek, wird schließlich ein Vorschlag von Präfekt Josef Donabaum (1917-1922) aufgegriffen, nämlich die Bezeichnung "National-Bibliothek". Von einer "Österreichischen" Nationalbibliothek will man damals keinesfalls sprechen, da eine eigene österreichische Nation als nicht existent angesehen wird. Donabaums Begründung – in einem offiziellen Schreiben vom 28. Juni 1920 – ist bezeichnend für die damalige politische Geisteshaltung:

 "Alle diese Erwägungen veranlassen die Direktion den Titel "National-Bibliothek" vorzuschlagen. Gewiss bestehen auch gegen ihn manche Einwände und es wurde zum Beispiel von einigen Beamten der Bibliothek darauf hingewiesen, dass eine „österreichische Nation" nicht existiere, ja dass dieser Name sogar den künftigen Anschluss an Deutschland hemmen könnte.

Solche Folgerungen und Befürchtungen sind doch wohl zu weit gehend. Dass keine besondere österreichische Nation existiert, darf ja wohl als weltbekannt angenommen werden. Es hat auch bis heute Niemand daran Anstoss genommen, dass neben dem germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ein bayrisches Nationalmuseum in München besteht. Dann aber liegt – was sehr wichtig ist – in dem Worte "National-Bibliothek" auch jene Aufgabe, der sich die Bibliothek in Hinkunft wird unterziehen müssen." (Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek Bd. I, S. 617/18, Hausakt HB 350/1920)

Nach dem Ende der Monarchie sucht man die nationale Identität nicht in Österreich, sondern in Deutschland. Präfekt Josef Donabaum sieht die neue Funktion der National-Bibliothek explizit auch "als Sammelpunkt für die nationale Literatur jener deutschen Stämme, die jetzt unter fremdnationale Herrschaft gekommen sind."

Auf Grund der großen Raumnot der Bibliothek versucht Donabaum energisch räumliche Erweiterungen durchzusetzen. Das so genannte "Zweite Remisedepot" unter dem Prunksaal, kann 1919 von der Bibliothek übernommen werden. Die Papyrussammlung inklusive des -museums und die Musiksammlung finden im zweiten Stock des Albertina-Gebäudes („Palais Friedrich“) einen neuen Standort. Die Kupferstichsammlung wird aus der Bibliothek ausgegliedert und mit der Graphischen Sammlung Albertina vereinigt.

1921 erfolgt die Gründung der Porträtsammlung (inklusive der Fideikommissbibliothek) und der Theatersammlung.

» 1934: Die Nationalbibliothek im Ständestaat

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