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Stimmen aus dem Wüstensand. Briefkultur im griechisch-römischen Ägypten


Privatbriefe auf Papyrus stellen im Rahmen der antiken Überlieferung aufgrund ihres unmittelbaren und persönlichen Charakters eine besonders faszinierende Textgattung dar. Anders als in der gepflegten Kunstsprache der Literatur, wo offene Briefe zwischen gebildeten Persönlichkeiten ein spezielles Genre bilden, sprechen hier die einfachen Menschen des Altertums so zu uns, wie sie miteinander geredet haben. Frauen, Kinder und sozial schwache Gruppen – die in der antiken Literatur nie zu Wort kommen – erhalten plötzlich eine vernehmbare Stimme. Die Gedanken und Sorgen, die in den Privatbriefen zum Ausdruck kommen, sind nicht nur Quellen ersten Ranges für die Mentalitäts- und Alltagsgeschichte, sie berühren die LeserInnen auch heute noch unvermittelt. Zu solchen Privatbriefen tritt als zweite Gruppe die offizielle Korrespondenz. Im Schriftverkehr zwischen Amtsträgern, aber auch in Verlautbarungen der Regierung und Verwaltung an die Bevölkerung manifestieren sich Herrschaftsstil und hierarchische Strukturen. Die juristisch-administrative Amtssprache lässt manch auffällige Parallele zur modernen „Beamtensprache“ erkennen.

Die Ausstellung präsentiert außergewöhnliche, amüsante, aber auch berührende Beispiele sowohl der Privatbriefe als auch der offiziellen Korrespondenz. Durch Inhalt oder Form sind spezielle Gruppen hervorzuheben, etwa Empfehlungs- und Kondolenzschreiben oder Geschäftsbriefe. Die zumeist unmittelbar verständliche Situation der Briefe und etliche Nachrichten allgemein-menschlichen bzw. allzu menschlichen Inhalts geben vielfältige Einblicke in das Alltagsleben. Neben griechischen und lateinischen Briefen zeigen koptische und arabische Schreiben die multilinguale Kultur des antiken Ägypten und demonstrieren die Entwicklung der Kommunikation über einen Zeitraum vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 9. Jh. n. Chr. Ziel der Ausstellung ist es, über die Vermittlung antiker Briefkultur hinaus Besonderheiten und Gemeinsamkeiten zwischen den Lebenswelten im griechisch-römischen Ägypten und heute herauszuarbeiten.

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