Cookie Information
Diese Webseite verwendet Cookies. Bei weiterer Nutzung gehen wir davon aus, dass Sie mit der Nutzung von Cookies einverstanden sind. Impressum

Gegen den Vietnamkrieg. Ein Krieg in Asien strahlt nach Europa aus

Aber Mut zu direkter politischer Betätigung haben mir die Studentenbewegung und der Vietnamkrieg gemacht.

(1978, Freiheit 70) 

Was sich bereits in den „Warngedichten“ (1964) angekündigt hatte, wurde spätestens mit der Veröffentlichung des Gedichtbands „und VIETNAM und“ offenbar: Erich Fried war ein politisch engagierter Schriftsteller. Und er scheute nicht davor zurück, noch so unangenehme oder verstörende Themen in seinen Gedichten anzusprechen. Die Proteste gegen den Vietnam-Krieg waren ein wichtiger Impuls für die Politisierung der Öffentlichkeit in Europa. Sie förderten das Erstarken der StudentInnenbewegung und auch ihre teilweise Radikalisierung. Fried plante mit Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger ein literarisches Projekt gegen den Vietnamkrieg. Als es scheiterte, fand er nach längerer Suche im Berliner Verleger Klaus Wagenbach einen Interessierten. 1966 erschienen dann die gesammelten Vietnam-Gedichte unter dem Titel „und VIETNAM und“. Von nun an kamen bis zu seinem Tod fast alle Bücher in dem Berliner Verlag heraus. 1968 nahm Fried am Internationalen Vietnamkongress in Berlin teil. Bei der großen Abschlussdemonstration mit 15.000 TeilnehmerInnen war er zeitweise zusammen mit dem StudentInnenführer Rudi Dutschke und dem Schriftsteller Peter Weiss in der ersten Reihe zu finden.

17.–22. Mai 1966 

Aus Da Nang 
wurde fünf Tage hindurch 
täglich berichtet: 
Gelegentlich einzelne Schüsse 

Am sechsten Tag wurde berichtet: 
In den Kämpfen der letzten fünf Tage 
in Da Nang 
bisher etwa tausend Opfer 


(1966, GW 1, 373) 

Typoskript mit Varianten des Gedichts „17.–22. Mai 1966“ (Quelle: NL Fried).

Erich Fried erwies sich als strenger und kritischer Beobachter der Geschichte und ihrer Wiederholungen. In dem autobiografischen Prosaband „Mitunter sogar lachen“ (1982) erinnerte er sich an den österreichischen Bürgerkrieg im Februar 1934. Damals schlug das austrofaschistische Regime unter Engelbert Dollfuß die Proteste der Arbeiterschaft gewaltsam nieder. Die offizielle Berichterstattung im Rundfunk weist erstaunliche Parallelen zu jener in dem Gedicht „17.–22. Mai 1966“ auf.

Auch in sich selbst sind die Radionachrichten widersprüchlich: „Es muß ganz besonders betont werden, daß nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Arbeiterschaft sich den verbrecherischen marxistischen Elementen angeschlossen hat.“ Und fünf Minuten später: „Die Tapferkeit unserer braven Exekutive war umso bemerkenswerter, als wir uns überall einer vielfachen Übermacht gegenüber befanden.“

(1986, GW 4, 540) 


1) Gegen Faschismus. Ein jüdisches Schicksal   2) Gegen Stalinismus und Kalten Krieg. Als Kommentator in der BBC   3) Gegen den Vietnamkrieg. Ein Krieg in Asien strahlt nach Europa aus   4) Gegen Unterdrückung im Nahen Osten. Als „jüdischer Anti-Zionist“ im Visier   5) Gegen eine autoritäre BRD. Im Bann der RAF   6) Gegen Nazis. Jeder Mensch hat eine Geschichte   7) Gegen Heuchelei. Preise als Lohn für harte Arbeit 

» Zur Übersicht dieses Kapitels
» Zur Übersicht der Hauptkapitel

 

JavaScript deaktiviert oder Chat nicht verfügbar.
Live Chat