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Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald". Vorstudie einer historisch-kritischen Ausgabe


Projektleitung:
Dr. Klaus Kastberger

Projektmitarbeiter:
Erwin Gartner

Finanzierung: Magistrat der Stadt Wien; MA 18, Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung
Laufzeit: 1. August 2000 bis ca. Juli 2001

Kurzbeschreibung 
Weil es bei Ödön von Horváth um jedes Detail der Sprache geht und die Stücke des Autors eine höchst komplexe Struktur aufweisen, fällt das Fehlen einer historisch-kritischen Werkausgabe schwer ins Gewicht. Die mangelnde philologische Sorgfalt der derzeit verfügbaren Ausgaben wurde in der Forschung wiederholt moniert; vereinzelt wurden auch schon Versuche gemacht, diesem Mißstand durch direkte Arbeit am Nachlaßbestand abzuhelfen, wodurch es aber zu vielen unterschiedlichen (und auch unterschiedlich exakten) Teileditionen gekommen ist.
Anhand des am Österreichischen Literaturarchiv befindlichen Nachlaßbestandes wird die Breite der editionstechnischen Probleme deutlich. Fast zu jedem Werk Horváths liegt eine Vielzahl von Fassungen und Umarbeitungen vor, im Laufe des Produktionsprozesses hat der Autor am Textmaterial herumgeschnitten und es wieder zusammengeklebt, so daß die einzelnen Zwischenstufen nicht geschlossen erhalten sind und auch hinsichtlich der Endfassungen, von denen bei Horváth in manchen Fällen mehrere Alternativersionen vorliegen, große Unklarheiten bestehen.
Auch das berühmteste Volksstück des Autors, "Geschichten aus dem Wiener Wald", in dem Horváth das Flair der Großstadt eingefangen und ein Sittenbild Wiens geformt hat, wirft eine Reihe von Fragen auf, und zwar nicht nur, was die Genese des Stückes, sondern auch was die Edition der beiden Letztfassungen ("Volksstück in sieben Bildern", "Volksstück in drei Teilen") betrifft, also einen Bereich, der bislang editorisch einigermaßen gesichert schien. Schon ein erster Blick auf die Nachlaßmaterialien macht klar, daß die Darstellung, die Traugott Krischke von der Entstehungsgeschichte des Stückes gegeben hat, einer teilweisen Revidierung und einer umfassenden Präzisierung bedürfen. Gleiches gilt für die Editionen des Stückes, die philologisch hochgradig unausgewiesen und in sich unstimmig sind. Beispielsweise liegen von der zweitletzten Fassung des Stückes ("Volksstück in sieben Bildern") zwei voneinander stark abweichende Varianten vor; die von Krischke angegebenen Quellen (ein 104seitiges Typoskript in dem einen, ein 78seitiges in dem anderen Fall) sind im Nachlaß nicht in geschlossener Form, sondern lediglich in einigen Einzelabschnitten vorhanden. An textkritischer Sorgfalt lassen es schließlich auch die von Krischke edierten Vorfassungen, Fragmente und Varianten des Stückes vermissen.
Im gegenständlichen Projekt sollen diese Probleme untersucht, die Entstehungsgeschichte des Stückes ausgewiesen, sowie die Abfolge der vorhandenen Textstufen erarbeitet und damit eine philologisch überprüfbare Basis für künftige Ausgaben der "Geschichten aus dem Wiener Wald" geschaffen werden. Hierfür sind folgende Arbeitsschritte vorgesehen:
1) Vergleichende Untersuchung früher Ausgaben von "Geschichten aus dem Wiener Wald", insbesondere der Stamm- und Regiebücher sowie der ersten Drucke, an deren Korrektur Horváth teilweise noch selbst beteiligt war.
2) Überprüfung der gängigen Ausgaben anhand der im Nachlaß befindlichen Originaltyposkripte: Der Bestand zu "Geschichten aus dem Wiener Wald" umfaßt 26 Mappen mit mehr als 750 Einzelblättern. Die gängigen Ausgaben müssen mit den Originalen verglichen und einzelne Textabschnitte der jeweiligen Vorlage zugeordnet werden. Diese Arbeit wird durch zwei Tatsachen erschwert: Erstens sind in den verfügbaren Ausgaben die Archivquellen nur sehr nachlässig und teilweise gar nicht zitiert, so daß nach manchen Vorlagen lange gesucht werden muß. Zweitens ist der Nachlaßbestand Horváths erst vor zehn Jahren nach Wien gekommen; in den vorausgegangenen Jahrzehnten wurden die Materialien mehrfach umgeordnet und dabei teilweise werkgenetische Einheiten mutwillig getrennt und der ursprüngliche Befund zerstört.
3) Rekonstruktion des Arbeitsprozesses und der Textgenese (Isolierung einzelner Textstufen und ihrer Abfolge aus dem Nachlaßmaterial): Dieser Schritt erfordert philologische Akribie und die Miteinbeziehung weiterer Quellen (Erinnerungen, Briefe etc.).
4) Gewinnung eines Arbeitsmodells für die künftige Horváth-Philologie: Die Untersuchung der "Geschichten aus dem Wiener Wald" soll als Vorstudie einer historisch-kritischen Ausgabe Ödön von Horváths dienen. Diese Ausgabe bildet für die österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts gegenwärtig eines der größten Desiderata.

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