Plakatschätze
aus der "Sammlung Donau":
50 Jahre Produktwerbung in Österreich
Plakate haben die visuelle Kultur des 20. Jahrhunderts wie kaum ein anderes Medium geprägt. Sie waren die optischen Wegweiser für Massenproduktion und Massenkonsum, ihre Gestalter verstanden sich zunehmend als "Reklamefachleute", die künstlerische Mittel kalkuliert für das Produkt-Marketing einsetzten.
"... eine unbescheidene Hoffnung hegen wir: dass unsere Arbeiten vielleicht in 50 oder 100 Jahren starke Kulturdokumente sein werden (...)" formulierte Julius Klinger bereits 1912 das neue Selbstverständnis der Plakatgraphiker. Mit der zunehmenden Bedeutung der Werbewirtschaft gewann auch die neue Profession des Gebrauchsgraphikers an Bedeutung. In Deutschland wurde daher 1919 eine eigene Standesvertretung gegründet, Österreich folgte 1927 mit dem "Bund Österreichischer Gebrauchsgraphiker". Dem BÖG gehörten alle international renommierten Graphic Designer an, beispielsweise Julius Klinger, Ernst Deutsch-Dryden und Joseph Binder, der Autor des Leitplakates dieser Ausstellung, das die Donau Versicherung in den frühen 30er Jahren bei ihm in Auftrag gegeben hat.
1998 ermöglichte die Donau-Versicherung der Österreichischen Nationalbibliothek den Ankauf des 1.300 Plakate umfassenden Archivs dieser Berufsvereinigung. Alle BÖG-Mitglieder stellten Beispiele ihres Schaffens für dieses Plakatarchiv zur Verfügung, das bereits damals als Fundus für Ausstellungen im In- und Ausland und als Beispielsammlung für die Jugend gehütet wurde. Der wertvolle Bestand, der zu Ehren des Sponsors den Namen "Sammlung Donau" trägt, wurde sofort nach der Erwerbung von der ÖNB in einer Bilddatenbank katalogisiert und ist bereits in einer lokalen Datenbank zugänglich. Zusätzlich waren herausragende Beispiele bereits in mehreren Ausstellungen, unter anderem in der Wander-Ausstellung "Verführungen" in Wien, Berlin und Hamburg zu sehen.
Vom 22. 1. bis 22. 2. 2002 präsentiert die ÖNB im Eingangsfoyer der Donau-Versicherung (1, Schottenring 15) wieder Highlights aus der "Sammlung Donau". Plakate zu bekannten Markenartikeln dokumentieren Werbebotschaften mit ihren Emotionen und Lebensgefühlen. Sie transportieren nicht nur Wirtschafts- und Kunstgeschichte, sondern erzählen auch die Alltags- und Mentalitätsgeschichte ihrer Epoche, die wir heute hinter den vordergründigen Bildinhalten deutlicher wahrnehmen können als die Zeitgenossen. Das macht die Beschäftigung mit dem Medium "Plakat", das sich auch heute noch im veränderten Medienmix des Produkt-Marketings unangefochten behauptet, so spannend und faszinierend.