Anonym Mit dem Entschluß
der Regierung Dollfuß, unter Ausnützung einer Geschäftsordnungskrise
des Parlaments Anfang 1933 in Hinkunft ohne Parlament mit Hilfe
von Notverordnungen zu regieren, war ein Prozeß in Gang gesetzt,
der wenige Monate später in der Zerstörung der parlamentarischen
Demokratie in Österreich eskalierte. Möglichkeiten, das
Parlament wieder in Gang zu setzen, waren durchaus vorhanden - vor
allem dann, wenn der Bundespräsident, Wilhelm Miklas, seine
institutionellen Möglichkeiten genutzt hätte. Die Versuche
der Sozialdemokraten, ihn in einer Volksadresse zur Nutzung seiner
Kompetenz zu bewegen, blieben allerdings erfolglos: "Auch den
Bundespräsidenten versuchten die Sozialdemokraten zu mobilisieren.
Der Bundesrat forderte ihn am 17. Mai auf, die Regierung zu entlassen.
Natürlich erfolglos. Daraufhin versuchte man es mit einer Volksadresse
an den Bundespräsidenten, er möge für die Wiedereinberufung
des Nationalrats Sorge tragen. Im vierten Anlauf [...] gelang es
der 'Arbeiterzeitung' am 14. Juni 1933, den diesbezüglichen
Entschluß der Parteileitung ihren Lesern mitzuteilen. Diese
Volksadresse bekam 1,216.327 Unterschriften [...] Am 20. September
1933 ging eine sozialdemokratische Delegation unter Führung
des Parteiobmannes Karl Seitz zum Bundespräsidenten und überreichte
ihm die Unterschriftensammlung." [Peter Huemer, Sektionschef
Robert Hecht und die Zerstörung der Demokratie in Österreich.
Eine historisch-politische Studie. Wien 1975, S. 263f.] |
|
Institut für
Zeitgeschichte |