Graphic Design in Vienna
1918-1938
| Informationen zum Plakat: |
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Bernd Steiner (1884-1933) Im Plakatarchiv des "BÖG" befanden sich 44 Werke von Bernd Steiner. Über die Hälfte der Plakate kündigten Redouten und Bälle an und evozierten im tristen Nachkriegs-Wien mit fein ziselierten Damenporträts die Welt des Luxus und der Moden. Steiner verstand es, mit wenigen Accessoires wie hochtoupierten Rokoko-Frisuren Atmosphäre zu erzeugen, oft wurden die Plakate zusätzlich mit Gold- und Silberfarben gedruckt und veredelt. Die Kosmetikindustrie war in der Zwischenkriegszeit ein wichtiger Auftraggeber für Werbung, und wußte Steiners Professionalität zu schätzen. Mit einer Art-Déco-Schönheit konzentriert der Künstler den modernen Zeitgeist für die Fabrik S. Pessl. Ein schwarzer Rahmen bildet als geometrisches Element ein exaktes Dreieck, das die Plakatfläche gliedert. "Creme.Puder.Seife", die beworbenen Produkte, werden in zarter, cremefarbiger Antiqua-Schrift angeboten. Vor dem orange-gehaltenen Hintergrund blickt die Figur kokett auf die Betrachter und nicht in ihren zierlich gehaltenen Spiegel. Ganz im Trend sind die Modefarben Schwarz-Orange, man sprach von Tango-Rot. Hochmodern auch das Art-Déco-Püppchen, dessen Körper wie eine Puderquaste geformt ist. "Schön wie Venus" ist das Versprechen, denn die zarte Figur trägt an einem Arm den Schlangenreif, das ikonographische Zeichen zahlreicher Venus-Darstellungen seit der Antike. Das Plakat war im Jahrbuch "Posters and Publicity" (London 1926, S. 97) mit englischem Text abgebildet. Im Einleitungstext des Jahrbuchs, der jeweils einen Rückblick auf ein Jahr internationale Plakatwerbung gibt, rühmt Sidney R. Jones in einer Passage zu "Advertising in Vienna" die österreichische Plakatszene und hebt besonders die Leistungen des jungen Joseph Binder hervor. |