Graphic Design in Vienna
1918-1938

Informationen zum Plakat:

Franz Probst (1903-1980)
Otto Breuer (1897-1938)
Fritz Feuer (?)

Rauchet Samum, 1922/23
Lithographie, 126 x 95 cm
ÖNB Sammlung Donau, Obj.Nr. 16308122

Franz Probst (1903-1980)
Entwurf zu Samumplakat
Aquarell, 25 x 16,5 cm
Leihgabe Prof. Wilfried Daim

Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt 15 Plakate für die Firma Samum, eine Papierfabrik, die noch heute im 19. Bezirk, am Kreilplatz 1, ihren Standort hat und die bereits vor dem 1. Weltkrieg vor allem Zigarettenpapiere und -hülsen herstellte. Viele bekannte Graphiker, wie Victor Slama oder Hans Neumann, arbeiteten für "Samum".

Das auffallendste Plakat, mit dem je für Zigarettenpapier geworben wurde, produzierten aber zweifellos die beiden Bauhaus-Studenten Franz Probst und Otto Breuer. Sie waren ab 1919 Schüler am Bauhaus in Weimar. Otto Breuer gründete nach seiner Rückkehr nach Wien ein Atelier, das den Auftrag für das Samum-Plakat erhielt. Probst fertigte als Entwurf ein Aquarell an, das ironisch aktuelle Kunstströmungen aufnahm und für Werbezwecke einsetzte. (Leihgabe Prof. Wilfried Daim)

Vom Architekten Fritz Feuer, der den Entwurf von Probst für einen Zweifarbenstrichdruck umgestaltete, sind keine biographischen Daten bekannt, außer dass er für die Baugenossenschaft "Heimhof" ein "Einküchenhaus" entworfen hat (Eichendorffgasse 4-6; vgl. Das österreichische Bauwesen. Wien 1928, Architekt Ing. Fritz Feuer, Wien VIII., Alserstraße 41, Telephon A-21-4-55).

Das Plakat blieb offenbar die einzige gemeinsame Arbeit dieser drei Personen, die keine ausgebildeten Gebrauchsgraphiker waren. Breuer und Feuer waren Architekten, Breuer baute später zwei Häuser in der Werkbundsiedlung. Probst, der in der Kinderkunstklasse bei Franz Cizek in der Kunstgewerbeschule ausgebildet worden war, stellte 1925 in der "Neuen Galerie" mit Anton Faistauer und Otto Rudolf Schatz aus.

Wilfried Daim berichtet in seinem Buch: "Meine Kunstabenteuer", was ihm Zeitgenossen von der Reaktion auf dieses ungewöhnliche Werbesujet erzählten:
"Das Plakat erregte großes Aufsehen und wurde gehasst und bewundert, wohl wegen des völlig aus dem Rahmen fallenden Stils. Vermutlich war die Ablehnung stärker, aber der Werbeeffekt musste deshalb nicht schwächer sein. Wir haben dafür jedoch keinerlei quantitative Angaben. Allerdings erklärte mir eine Augenzeugin, dass manchmal wildfremde Leute auf der Straße über das Plakat miteinander diskutierten. Feuer hatte auch einen Text angebracht: "Rauchet Samum wie ich!" Probst erzählte, dass ein Spaßvogel unter eines der Plakate händisch den Satz schrieb: "Dann wirst du genauso ein einäugiges Scheusal wie ich."
(Wilfried Daim: Meine Kunstabenteuer. Geschichte einer Sammlung. Wien: Holzhausen 1997, S. 212)