Graphic Design in Vienna
1918-1938

Informationen zum Plakat:

Julius Klinger (1876-1942)
Originell diese Ahiga!, 1922
Lithographie, 84 x 105 cm
ÖNB Sammlung Donau, Obj.Nr. 16308417

Das Akronym "AHIGA" steht für eine Ausstellung von österreichischen Waren im Konzerthaus. "Ahiga in the Konzerthaus sells everything from a pin to an elephant!" behauptet ein weiteres Plakat, das Oskar Laske gestaltet hat - "Sie müssen die ‚Ahiga' im Konzerthaus gesehen haben, die große permanente Verkaufsausstellung erlesener österreichischer Waren", wird auf dem Laske-Plakat geworben.
Um das Konzerthaus rund um die Uhr auszulasten, wurden die Räumlichkeiten auch für Modeschauen und Ausstellungen vermietet. "Derartige Modeschauen (...) dokumentieren nicht nur die Bemühungen der KHG, eine Intensivierung der Saalvermietungen zu erreichen, sondern auch die Bestrebungen der Wirtschaftstreibenden, in wirkungsvollen Präsentationen, die zum Teil Messecharakter hatten und meist von der Wiener Gewerbeförderung organisiert wurden, den Verkauf heimischer Produkte zu fördern." (Friedrich Heller, Peter Revers: Das Wiener Konzerthaus. Wien 1983, S. 78. In der Liste der Veranstalter im Wiener Konzerthaus S. 148 ff. wird die Ausstellung "AHIGA" allerdings nicht angeführt.)

Die preziöse Dame auf der Chaiselongue, umgeben von erlesenen Möbeln und Ziergegenständen, ist das Luxus-Geschöpf par excellence. Klinger greift mit dieser Gestalt das ikonographische Motiv der ruhenden und sich schmückenden Venus auf. Die Schwarz-Rot-Kombination ist im Art Déco besonders modisch und wird auch für Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Vasen und Geschirr, verwendet.

Julius Klinger (1876-1942) hat die Plakatkunst in zwei Städten geprägt: bis 1914 in Berlin als Plakatentwerfer für die Druckerei Hollerbaum & Schmidt und ab 1918 in Wien mit seinem eigenen Atelier und als Lehrer. Die Anerkennung, die ihm zuteil wurde, findet ihren Ausdruck auch in der Tatsache, dass die wichtigste deutsche Fachzeitschrift, "Gebrauchsgraphik", ihm ein Heft zu seinem 50. Geburtstag widmete (Jg. 4, 1927, Heft 5). In seinem Würdigungsartikel rühmt H. K. Frenzel Klinger als herausragende Persönlichkeit, die schon früh ihren Stil gefunden hat. Seine Plakate "waren Meisterwerke gepflegter Flächenkunst, ... nach den Gesetzen der Graphik auf Linie und Farbfläche gestellt". (...) Mit diesen Plakaten hat Klinger nicht nur seinen Auftraggebern einen Dienst geleistet, sondern er hat uns allen, so groß dies klingen mag, er hat dem gesamten deutschen Volk damit einen Dienst erwiesen, denn er hat dem von ihm gepflegten Kunstzweig in der ganzen Welt zu Anerkennung und allerhöchster Beachtung verholfen."