Graphic Design in Vienna
1918-1938
| Informationen zum Plakat: |
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Mihály Biró (1886-1948) 1921 hatte Julius Klinger das Logo für die Wiener Messe entworfen, das jahrzehntelang verwendet wurde - wuchtige Buchstaben: "W" , "I" und "M" sind übereinander gestapelt. Mihály Biró, der nach der Zerschlagung der Räterepublik in Ungarn nach Wien geflüchtet war und für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei die Wahlplakate für die Nationalratswahlen 1920 gestaltet hatte, nimmt dieses Logo zum Anlaß für ein festliches Bild. Das "M" wird zum Eingangsportal, durch das eine Volksmenge in die "Rotunde" im Prater strömt, in der damals die Wiener Messe stattfand. Die Rotunde war das zentrale Gebäude der Weltausstellung 1873 und wurde anschließend für Großausstellungen genützt. Am 17. 9. 1937 wurde sie durch einen Großbrand völlig zerstört. Die Fahnen aller teilnehmenden Länder flattern von einer Fahnenstange, die das "I" bildet. Österreich hatte nach dem 1. Weltkrieg mit der Umstellung seiner Wirtschaft von dem großen Markt der Habsburger Monarchie zu den beschränkten ökonomischen Chancen der 1. Republik zu kämpfen. Die Messe bot ein wichtiges Forum für internationale Handelsbeziehungen. Die Wiener Messe war in Österreich eine der größten reklametreibenden Institutionen. Die Plakatreklame stellte selbst diejenige der Leipziger Messe bei weitem in den Schatten. Um 1930 betrug die Gesamtzahl der in Österreich sowie in Europa und Übersee affichierten Plakate 236.000, die in 7 Formaten und 20 Sprachen auf der ganzen Erde für Wien und seine Messe warben. (Vgl. Kontakt, Wien, Heft 9, September 1930, S. 3). Jährlich wurden Wettbewerbe für die Plakatentwürfe veranstaltet, bei denen bis zu 1.000 Entwürfe der Jury vorlagen. Messe-Plakate gibt es daher von allen prominenten österreichischen Plakatentwerfern. |