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1918-1938

Informationen zum Plakat:

Joseph Binder (1898-1972)
Das österreichische Plakat, 1929

Lithographie, 174 x 53 cm
ÖNB Sammlung Donau, Obj.Nr. 16308083

"Eine Ikone der österreichischen Gebrauchsgraphik schuf Joseph Binder 1929 anlässlich der Ausstellung ‚Das österreichische Plakat' im Museum für Kunst und Industrie. Das Plakat stellt einen elegant abstrahierten, in den rot-weiß-roten Landesfarben gehaltenen Hermes-Kopf als Symbol des Handels und der Wirtschaft dar. So als wolle Binder noch einmal das Beste aus der Geschichte der österreichischen Plakatkunst zusammenfassen, verband er mit diesem Blatt die aktuelle Formensprache mit den Prinzipien der modernen Flächenkunst, mit der Reduktion der Farben, mit den von den Secessionisten bevorzugten Symbolen der Antike und dem schlanken Hochformat der Secessionsplakate. Die extreme Form des Helmes erinnert ein wenig an den der Pallas Athene auf Klimts erstem Ausstellungsplakat. Das Blatt erwies sich als durchschlagender Erfolg und wurde in zahlreichen in- und ausländischen Zeitschriften publiziert." (Denscher, Österreichische Plakatkunst, S. 109-110; Abb. S. 107)

Die Ausstellung wurde vom Bund Österreichischer Gebrauchsgraphiker (BÖG) veranstaltet, der 1927 gegründet wurde - Binder gehörte dem Vorstand an. Die Ausstellung wurde von der offiziellen Politik ausdrücklich unterstützt, das Protektorat übernahm der Bundesminister für Handel und Verkehr Dr. Hans Schürf. Bei einigen wenigen Exemplaren des Plakats finden sich diese zusätzlichen Textstreifen, so bei dem Exemplar aus dem Archiv des BÖG.

Im Ausstellungskatalog wird von den Förderern und Funktionären des BÖG nicht die wirtschaftliche Funktion des Plakats in den Vordergrund gestellt, sondern die "künstlerische Seite der Gebrauchsgraphik". Die Voraussetzung zu einer qualifizierten Ausbildung der österreichischen Graphiker bieten die Kunstgewerbeschule und die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, deren Lehrer, erwähnt wird der Schriftkünstler Rudolf v. Larisch, an die große Tradition der Jahrhundertwende anknüpfen können. Werbung wird zwar als Mittel zum Verkaufszweck, darüber hinaus aber geradezu als Kunst beschworen, als Werbekunst, die "eine wahrhaft kulturfördernde Sendung" erfüllen kann, wenn sie ihre Aufgaben "im Geiste der Klarheit, Zweckmäßigkeit und Schönheit" löst. (Das österreichische Plakat. Werbekunst-Ausstellung des Bundes Österreichischer Gebrauchsgraphiker im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie. August-September 1929, Ausstellungskatalog, S. 6)

Der BÖG wurde nach dem Vorbild der deutschen Berufsvereinigung geschaffen und sollte den Angehörigen des neuen Berufszweigs "Gebrauchsgraphiker" Beistand in vielen Belangen bieten, beispielsweise beim Urheberrecht (Skizzenschutz, Plagiatsbekämpfung, unlauterer Wettbewerb). Minimaltarife sollten vor wirtschaftlicher Ausbeutung schützen. Eine Aufnahmekommission wachte über der beruflichen Qualifikation der Mitglieder. "Dilettantismus, Pfuscherwesen und unkünstlerische Reklamefabrikation sollen den Ruf der österreichischen Reklamekunst, die auch im Auslande schon ein bedeutendes Ansehen genießt, nicht mehr gefährden", verspricht Rechtsanwalt Dr. Josef Zitter, der Rechtsbeistand des BÖG. Vielmehr will der BÖG "den Schild der österreichischen Reklamekunst rein und makellos erhalten." (S. 12)

In der Ausstellung wurden 103 Exponate gezeigt, vertreten waren von den in der vorliegenden Ausstellung gezeigten Graphikern: Joseph Binder, Hermann Kosel, Hans Neumann und Viktor Slama.