Graphic Design in Vienna
1918-1938
| Informationen zum Plakat: |
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Atelier Joseph Binder Die 1867 gegründete Versicherung "Donau" benützt auch heute ihren Namen für Werbezwecke - "die meistbesungene Versicherung" lautet der Slogan unter ihrem Logo.
Auch für Joseph Binder wurde der Name "Donau" Auslöser für die Werbebotschaft und Bildidee des Plakats - so sicher und stark wie der Flösser steuert die Versicherung ihre Kunden durch die Fährnisse des (Geschäfts-)Lebens. Stimmung schafft ein Hügel mit einer Burgruine im Hintergrund, man denkt an die Wachau. Zwei Diagonalen gliedern die Plakatfläche: die Gestalt des Schiffers, der seine Beine gegen das Floß stemmt, und das Ruder, das er energisch mit beiden Händen führt. Mit seinem Trachtenhut und dem roten Gilet verkörpert er das Image der regionalen Kultur, bodenständig und kraftvoll. Die Versicherung und der Entwerfer setzten in den 30er Jahren bewusst ein traditionelles Österreich-Bild ein, das offensichtlich so positiv besetzt war, dass man das Plakat auch im Ausland verwendete. Binder schuf nämlich auch eine Plakat-Variante mit englischer Beschriftung: "Danube. General Insurance", bei der ein knapperer Ausschnitt gezeigt und der romantische Hintergrund eliminiert wurde. (Vgl. Joseph Binder, ein Gestalter seiner Umwelt. Plakate, Werke graphischer und freier Kunst, Aufzeichnungen aus der Joseph Binder Collection. Wien: Anton Schroll 1976, S. 41)
Der bekannte Tiroler Graphiker Arthur Zelger arbeitete 1938, kurz vor dem Abschluß seines Studiums an der Wiener Kunstgewerbeschule, im Atelier von Joseph Binder, der damals bereits in New York lebte. Zelger fand dort Mappen mit Fotos vor, die als Vorlagen für Plakatentwürfe verwendet werden konnten, darunter auch das Foto des Flössers für das "Donau"-Plakat. Vom banalen Foto ausgehend, hatte Binder die Bildvorlage graphisch umgeformt - die extreme Betonung der Diagonale wurde zum Gestaltungsprinzip. Für Zelger war es faszinierend, diesen Schaffensprozeß nachzuvollziehen. Binder gestaltete Räume durch Farbflächen, die er sehr reduziert einsetzte. Beim "Donau"-Plakat dominiert überraschenderweise ein Grünton, und nicht das Blau, mit dem seit Johann Strauß die Donau verbunden ist. |