Jürgen Czaschka
Ich bin Zeichner, Linienzieher. Da ist der Grabstichel das ideale Instrument, besser als die Radiernadel. Mit dem Stichel eine Linie ziehen, das ist wie für die Mathematik Differential und Integral. Vollständige Beherrsch- und Steuerbarkeit. Das ist Exaktheit, Strenge, strahlt die erforderliche Kälte aus, in der die Dinge geschmiedet sein wollen (G. Benn). Kupfer s t e c h e n , intagliare, incidere. Verben, die ebenso zum Anatomen und Pathologen passen. Der Kupferstich als Pathograph der Wirklichkeit? Der Pinsel malt (vielleicht eine bessere Welt), der Grabstichel seziert, schneidet in Hirne, sticht Geschwüre auf.
Jürgen Czaschka: In Hirne stechen
geboren 1943 in Wien
Studium der Geschichte an der Universität Wien, Promotion 1967
1967-1971 Lokaljournalist bei "Die Presse", Lektor und Buchhersteller im Österreichischen Bundesverlag, Werbegraphiker
1972-77 Bühnenbildner in Ulm, Paderborn und Pforzheim
1977 Übersiedlung nach Berlin als freischaffender Künstler, Radierkurs bei Jan Huber, autodidaktische Aneignung der Technik des Kupferstichs
seit 1979 arbeitet der Künstler fast ausschließlich in der Technik des Kupferstichs
1983 Übersiedlung nach Steinen-Schlächtenhaus (Baden)
1992-1994 betreibt der Künstler in Steinen die Galerie "Il bulino" (Der Stichel)
1993 Gründung des Verlages "Il bulino", in dem der Künstler bis 1998 handgeschriebene Bücher mit Originalgraphiken in kostbarer bibliophiler Ausstattung verlegt
seit 1999 lebt Jürgen Czaschka in Fanano (Emilia Romagna, Italien)