Kleinformatige Künstlergraphik - Exlibris von Jürgen Czaschka

Unter Exlibris versteht man einen Eigentumsvermerk in einem Buch. Bis ins 15. Jh. war der handschriftliche Besitzvermerk in Form von eingemalten Wappen oder Initialen gebräuchlich. Der verstärkte Wunsch, die eigenen Bücherschätze zu kennzeichnen, entstand Ende des 15. Jh. aus dem Individualitätsverlust des Buches nach Erfindung des Buchdrucks. So wurde es üblich, ein graphisch gestaltetes Blatt mit dem Namen des Besitzers auf die Innenseite des Buchdeckels zu kleben. Sehr oft wurde es mit der einleitenden lateinischen Formel Ex libris (= aus den Büchern, aus der Bibliothek von ...) versehen, und diese Besitzformel ist auch heute noch international gebräuchlich.

Diese Funktion als Besitzvermerke erfüllten die Exlibris bis ins 19. Jh. Im Zeitalter der Industrialisierung und Technisierung, das auch zu einer Massenproduktion von billigen und kunstlos gestalteten Büchern führte, verlor das Exlibris schließlich seine Bedeutung. Daß es in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wiederentdeckt wurde, verdankt es den deutschen Heraldikern, die sich mit den Wappenexlibris befaßten, und der Buchkunstbewegung, die in England ihren Ausgang nahm.

Das Interesse der Buchkünstler am Exlibris - die bedeutendsten Künstler der Zeit begannen nun auch Exlibris zu entwerfen - traf sich mit dem des Bildungsbürgertums, das auf der Suche nach neuen Sammelgebieten war und das Exlibris nun nicht nur zur Kennzeichnung seiner Bücher verwendete, sondern auch als kleinformatige Künstlergraphik ansah.

Ab der Jahrhundertwende wurden von diesen Kleingraphiksammlern, die sich in Vereinen zu organisieren begannen, immer mehr Blätter von vornherein zum Sammeln und Tauschen in Auftrag gegeben. Damit hatte das Exlibris seine Verbindung zum Buch aufgegeben und begann ein Eigenleben als Kleinkunstwerk zu führen. Auch das zeitgenössische Exlibris ist in den meisten Fällen in kleinen Auflagen produzierte Druckgraphik, die in Sammlermappen verschwindet.

Die Blätter von Jürgen Czaschka spiegeln als vom Buch losgelöste Kleingraphiken diesen Entwicklungsprozeß. Doch während viele zeitgenössische Exlibris als dekorative Kleingraphik charakterisiert werden können, reflektieren Czaschkas Exlibris mit kühlem, mitunter auch karikierendem Strich die europäische Kultur- und Geistesgeschichte.

Czaschkas Exlibris fordern wie sein gesamtes graphisches Werk vom Betrachter Geduld und genaues Hinsehen ein. Demjenigen, der sich auf den mitunter mühseligen Prozeß des Entzifferns seiner Graphiken einläßt, beschert der Künstler allerdings ein spezielles Vergnügen: die Lust des Entdeckens.

Die ausgestellten Exlibris stammen aus dem Bestand der Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung der ÖNB. Die Sammlung besitzt alle 52 seit 1994 entstandenen Blätter von Jürgen Czaschka als Schenkung des Künstlers.

Zur Bildergalerie