Einführung

Die Österreichische Nationalbibliothek präsentiert vom 6. Juni bis 5. Juli 2001 in den Räumen des Papyrusmuseums eine Ausstellung der Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung mit Graphik und Buchkunst von Jürgen Czaschka. Der 1943 in Wien geborene Graphiker ist einer der wenigen zeitgenössischen europäischen Künstler, der fast ausschließlich in der Technik des Kupferstichs arbeitet.

Jürgen Czaschkas Werk umfaßt mit seinem soeben vollendeten Zyklus "Agnostische Annäherungen an Francesco d' Assisi" 312 Kupferstiche, darunter 52 Exlibris. Vielfach greift der Künstler in seinen Arbeiten auf die Welt der antiken Mythologie zurück oder bezieht seine Inspiration aus Werken der (Welt-)Literatur. Czaschka orientiert sich in seinen realistischen, teils expressiven oder surrealistisch überhöhten Darstellungen stark an den alten Meistern, insbesondere an Dürer. Da er sich aber in einem anderen Weltbezug findet als die Künstler der Renaissance, steht sein künstlerisches Schaffen unter dem Motto "Durch Dürer hindurch". So kombiniert er in seinen freien Graphiken, Exlibris und Buchillustrationen immer wieder Bildzitate alter Meister mit Szenarien unserer technisierten Moderne.

Graphik versteht der Künstler als "nichtverbales, aber dennoch schriftliches Philosophieren". Für ihn hat Illustration mehr mit Erleuchtung/Erklärung im Sinne von Aufklärung zu tun als mit Buchschmuck. Aus diesem Verständnis heraus arbeitet Jürgen Czaschka seit Ende der 70er Jahre fast ausschließlich in der Technik des Kupferstichs. Sie erfüllt auf handwerklicher Ebene seinen Anspruch auf die intellektuelle Strenge, mit der ein Text graphisch weitergedacht werden muß.

Im Mittelpunkt der kleinen Schau steht Jürgen Czaschkas 1998 entstandene Kupferstichfolge "Odysseus", in der der Künstler den Betrachter mit einer provokanten Lesart der Odyssee konfrontiert. Im Gegensatz zu traditionellen Odyssee-Illustrationen fokussiert der Künstler in einigen wenigen Episoden des Epos die Hauptfigur Odysseus und konzentriert sich auf die Frage: Was unterscheidet Odysseus von den anderen Helden der Vorzeit? Und warum erscheint er uns auch heute noch so vertraut?

Der zweite Teil der Ausstellung präsentiert das Exlibriswerk und das buchkünstlerische Schaffen Czaschkas. Die Exlibris - vom Buch losgelöste Kleingraphiken - zeigen die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit Stoffen aus antiker Mythologie und der Weltliteratur. Mit Büchern in kostbarer bibliophiler Ausstattung aus Czaschkas Verlag "Il bulino" (Der Stichel) wird sein Verständnis vom Buch als Gesamtkunstwerk vorgestellt.