In Memoriam Wendelin Schmidt-Dengler (1942-2008)

- Prof. Wendelin Schmidt-Dengler an seinem Arbeitsplatz
Der Tod von Universitätsprofessor Dr. Wendelin Schmidt-Dengler am 7. September 2008 kam für uns völlig unerwartet und reißt uns abrupt aus vielen gemeinsamen Vorhaben. Das Österreichische Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek verdankt sein internationales Renommee dem großen persönlichen Einsatz jenes Mannes, der es seit dem Jahr 1996, als es seinen Vollbetrieb aufnahm, als Herzensangelegenheit leitete. Dem Stellenwert Wendelin Schmidt-Denglers in der internationalen Forschungsgemeinschaft und dem Respekt, den er in den Kreisen der Autorinnen und Autoren genoss, ist es zu verdanken, dass das Österreichische Literaturarchiv in diesen Jahren eine derartige Entwicklung nehmen konnte. Die großen Nachlass- und Vorlasserwerbungen wie z.B. jene von Albert Drach, Ernst Jandl, Günter Anders, Peter Handke oder auch die Gründung eines eigenständigen Thomas-Bernhard-Archivs wären ohne ihn ebenso wenig möglich gewesen wie die Tatsache, dass Materialien von vielen Gegenwartsautorinnen und -autoren, darunter Elfriede Czurda, Elfriede Gerstl, Josef Haslinger, Peter Henisch, Gert Jonke, Robert Menasse, Christoph Ransmayr, Robert Schindel und Ferdinand Schmatz an das Archiv gekommen sind.
Auch in der Erforschung und Auswertung der Materialien hat Professor Schmidt-Dengler entscheidende Akzente gesetzt, sei
es durch die Initiierung und Leitung spezifischer Forschungsprojekte, in der Edition der Bestände (Albert Drach, Ödön von
Horváth) oder auch in der Etablierung der Publikationsreihen des Literaturarchivs. Seine Vision war ein Museum für die österreichische
Literatur, das in enger Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek stehen sollte.
Wir haben in Herrn Professor Schmidt-Dengler nicht nur einen international anerkannten Literaturwissenschaftler (u.a. Ehrendoktor
der Universität Bukarest und Wissenschaftler des Jahres 2007) und einen glühenden Verfechter der modernen österreichischen
Literatur kennen gelernt; wir verlieren mit ihm auch einen Vorgesetzten, der uns durch den Respekt und die Aufmerksamkeit,
die er uns allen entgegenbrachte, geprägt hat. Weit über seine fachliche Kompetenz hinaus beeindruckte er uns durch seine
Menschlichkeit, seine Güte, seinen Humor und nicht zuletzt durch seine Bescheidenheit.
Die MitarbeiterInnen des Österreichischen Literaturarchivs
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