Cod. 2412 (Univ. 851)

Aristoteles, De natura animalium I-XVIII

St. Pölten (?), 2. Viertel 13. Jhdt.

Pergament. I+78 Blätter. 26 x 18 cm. Kustoden: Buchstaben am Lagenende.

Einband: kirschrot gefärbtes Leder über Holzdeckeln (15. Jhdt. oder früher ?); Spuren von zwei Schließen (Vertiefungen für Beschläge am HD, am VD zwei Löcher für Zapfen oder Beschläge); am VD oben neuzeitliche Inhaltsangabe; am Rücken oben tw. überklebtes Signaturschild des 15. Jhdts. '154'; am HD oben fehlender Beschlag für die Kette.

Provenienz: Das mittelalterliche Signaturschild entspricht in Typus und Größe jenen von Cod. 1213 und 1266, die im nö. Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten entstanden sind - vgl. Simader, St. Pölten, 2001, 25-34; auch Cod. 2468 (13. u. 14. Jhdt.) trägt ein derartiges, tw. überklebtes Schild und befand sich im 15. Jhdt. wohl ebenso in St. Pölten - zur Handschrift zuletzt A. Fingernagel / M. Roland, Mitteleuropäische Schulen I (ca. 1250-1350) [Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters, Reihe I, Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek, Band 10], Text- und Tafelband, Wien 1997, Nr. 76 (M. Roland).
Später war Cod. 2412 im Besitz des 1539 in Wien verstorbenen Humanisten Alexander Brassicanus (Eintrag fol. Ir), dann in der Bibliothek des Wiener Bischofs Johannes Fabri (1530-1541), dessen gedrucktes Exlibris am VD-Spiegel eingeklebt ist; die von Fabri dem Wiener Kollegium St. Nikolaus vermachten Handschriften kamen in die Wiener Universtätsbibliothek und von dieser 1756 in die Hofbibliothek.


Signaturschilder des 15. Jahrhunderts (Stiftsbibliothek St. Pölten): Cod. 1266, 1213, 2412 und 2468.
 


Inhalt (vgl. Tabulae): Aristoteles, De natura animalium I-XVIII (fol. Iv-78v).

Buchschmuck: Rote Überschriften rote, meist drei- fünfzeilige Majuskeln; Satzmajuskeln gelegentlich mit Kräuselblattmotiven, einmal (fol. 65v) silhouettierte Blattmotive am Ablauf; fol. 44v sechszeilige Majuskel S mit Kräuselblattdekor. Auf fol. Iv elfzeilige, bogenförmig rot/grün gespaltene Silhouetteninitiale, darunter eine rote fünfzeilige Silhouetteninitiale mit stilisierten grünen Blattmotiven im Binnenfeld; der langgezogene Ablauf der Cauda ist in Grün mit geperlten, seitlich gefiederten Stegen dekoriert, umgeben von stilisierten Blattformen.

Stil und Einordnung: Die Lokalisierung stützt sich hauptsächlich auf die Provenienz; Details des unspezifischen Buchschmucks wie die gefiederten, mit Perlen besetzten Stege könnten von älteren St. Pöltener Handschriften wie dem sicher in St. Pölten entstandenen Cod. 990 (fol. 3r) angeregt worden sein (vgl. Simader, St. Pölten, 2001, 28, 30, 33).


Cod. 2412, fol. Iv

Vgl. Cod. 990, fol. 3r


Literatur: M. Grabmann, Forschungen über die lateinischen Aristotelesübersetzungen des XIII. Jahrhunderts (Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters 17,5-6), Münster 1916. - G. Lacombe u.a., Aristoteles latinus, Codices, Pars prior (Corpus philosophorum medii aevi), Roma 1939.

(FS)



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