Die Uroma Marie hot Friedn ghob zu Lebzaitn. In gonzn Fotoalbum isch
koan Gsicht wia ihrigs, nit vun oltn Onkl Leopold sell, nit vu der Touta
ihrn Vouter und iberhaup vu koan oanzign Kartheintner und koan Überhöfer.
Sie hot zun Opa, bol er in Kriag gongen isch, gsog:
"Schaug mi nou amol un. Bol zruggkimmsch, bisch an onderer." Und sie
hot olle Zachern verheb.
I schaug sie mer nit genua un, sie hot Friedn ghob bis unter ihrn waitn
Kittl aini. Es miaßet an Toug fir die hailign Uromen geibn.
Ich weiß, daß mein Vater als Kind eine Mutterschürze
groß wie eine Hängematte in Reichweite hatte, und daß
er abends beim Lichtlöschen von der einen Ruhe in die andere gereicht
wurde.
Wenn mir meine Mutter nur nie die Geschichte vom guten Wolf erzählt
hätte.
Er wagt sich kaum noch in die behauste Gegend. Lügenmärchen
werden von ihm erzählt. Gekränkt hat er sich zurückgezogen.
Unverstanden. Freudlos. Von menschlicher Überheblichkeit getretenes
Vieh.
Rotkäppchen ist mir kaputtgegangen.
Das kleinste Geißlein ist mir kaputtgegangen. Ich wollte mir
darüber auf den Lippen jede einzelne Träne mit den Zähnen
zerbeißen.
Der Großvater hat aber die Geschichte weitererzählt und
mich gestärkt: dieser Wolf ist der Fuchswolf, der raffinierteste unter
den Wölfen. Meinem Großvater kann ich aufs Wort glauben, er
ist bei Jägern und Tieren im Wald groß geworden. Und gute Wölfe
leiden an Tollwut, man darf sich nicht mit ihnen befreunden.
Der Opa hot in Kriag Komeroudn ghob, und olle sain Soldoutn gweisn.
Der Tata schamp sich, wail der Opa Soldout gweisn isch. Ear hot isch
friahr nou viel meahr gschamp.
Der Opa tuat mitsingen, bol in Radio Komeroudnliadlen sain: Liebes
Mädel, darfst nicht weinen. Auf unseren Bergen ist die Freiheit...
[...]
Bol der Opa vun Kriag zruggkemmen isch, hot die Uroma Marie long gwortet
ghob, daß der Opa epes sog. Long. Der Opa hot nicht gredt. Af der
Fotzorgl hot er gspielt; a Wia in Wold und a Wia in der Stub.
Friahr, vourn Kriag, hot er afn Chour gsungen. Und wenn sie bun Mittougessn
nit olm nou in Engl-des-Herrn gebetet hätten, hätt niamets meahr
gwißt, wos fir a Stimm ear hot.
Die Uroma Marie hot nachtwais gekopft, wos der Opa, wenn er schun nit
redt, gearn hearn meiget. Sie isch draufkemmen, bol sie amol in der Stub
in a Zaitung geblattlt hot. "Froah bin i schun, " hot sie gsog, "daß
ins nit virrechnsch, wiaviel Hunger ghob hosch, wai oft durchn Lettn gekrochn
bisch, und iberhaup, wiaviel Granatn gworfn hosch."
Dernouch hot der Opa wieder ungheb zu reidn.
...
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