ERNEST DICHTER - MOTIVFORSCHUNG
Theorie und Person
Vorwort
1. Das "System Ernest Dichter"
1.1 "Axiome" des Systems
1.1.1 Interpretative Forschung vor
deskriptiver Erhebung
1.1.2 Warum - Frage
1.1.3 Indirekte Fragen
1.1.4 Emotion vor Intellekt - Irrationalität
vor Ratio: Paradigmenwechsel und Paradox als Methode
1.2 Symbole - Wegweiser zu den Grundmotivationen
- Grundbedürfnisse (Maslow)
1.3 Minderwertigkeit, Schuldgefühle
und Absolution
1.4 Die Seele eines Produktes -
Image und Identifikation
1.5 Instrumente der Motivforschung
1.5.1 Das Tiefeninterview
1.5.2 Weitere Instrumente
1.6 Wissenschaftlicher Anspruch
2. Der Mensch Ernest Dichter
2.1 Psychographische Daten
2.2.1 Philosophie und Wertsystem
2.2.2 Lust als Ziel und als Norm
- die Lebensphilosophie des Hedonismus
2.2.3 Ist Motivforschung moralisch?
3. Würdigung
Literaturbericht / Quellenlage /
Literaturverzeichnis
Vorwort
Wir sind täglich mit dem Phänomen der Motivation
konfrontiert - geben uns aber selten darüber Rechenschaft. Der durchbrechende
Erfolg Dichters mit der Motivforschung basiert eben auf jener Reflexion,
sich (und allen, die es interessiert...) die Hintergründe und verborgenen
Triebfedern eigenen und fremden Tuns bewußt zu machen, die Mechanismen
menschlichen Handelns besser zu verstehen. Dabei berührt Dichter die
Frage nach dem Menschen selbst, die Frage nach Sinn und Ziel menschlichen
Lebens - und gerade diese Implikationen machen die Motivforschung so spannend...
1. Das "System - Ernest Dichter"
Der Titel birgt bereits einen Widerspruch
in sich: es gibt kein System im konventionellen philosophisch-ideologischen
Sinn, das Ernest Dichter aufgestellt hätte - und dennoch verkörpert
er selbst als Person eine Denkrichtung, die - weil eben unkonventionell
- die Grundlage einer neuen Schule werden konnte: der Motivforschung. Wenn
man von einem System sprechen will, dann - pointiert gesagt - von einem,
das sich die Skepsis gegenüber jedem System zur obersten Maxime gemacht
hat, das jegliche vorhandene Erklärungsmuster menschlichen Verhaltens
zunächst in Frage stellt und dadurch zu oft unerwarteten Ergebnissen
gelangt, was die Motivation menschlichen Handelns betrifft. Die Wurzeln
zu diesem Ansatz liegen in der Auseinandersetzung Dichters mit der Klassischen
Philosophie der Antike (Plato, Aristoteles), der Philosophie des 19. Jahrhunderts
(Nietzsche, Schopenhauer, Dilthey) und der Prägung durch Moritz Schlick
ebenso wie im Studium der Psychologie (Charlotte und Karl Bühler)
bzw. der Beschäftigung mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der
Individualpsychologie Alfred Adlers, um kursorisch die Namen einiger Persönlichkeiten
zu nennen 1, die Dichter in seinen Werken erwähnt und von denen
er gelernt hat, "die großen Fragen zu stellen" 2: die Fragen
nach Sinn, nach "Glück" und "Wahrheit", nach den Triebkräften
menschlichen Lebens, Seins und Handelns. Darüber hinaus war Dichter
schon früh (1935) als Psychotherapeut und Berufsberater tätig
bzw. arbeitete (1936) neben weiteren Studien zeitweise am wirtschaftspsychologischen
Institut der Universität Wien, wo auch Paul Lazarsfeld (der ebenfalls
einer seiner Lehrer war) und seine (erste) Frau Maria-Oda quasi als "Markt-
und Meinungsforscher" - damals nannte man es noch nicht so - tätig
waren. Trotz fundierter akademischer Ausbildung ging es Dichter nicht um
eine akademische Laufbahn, sondern in erster Linie um den pragmatischen
Wert von Erkenntnis 3. Entsprechend dieser Zielsetzung vermissen
wir - wie eingangs erwähnt - zwar die penibel ausgearbeiteten Pläne
des sprichwörtlichen "elfenbeinernen Turms", die systematische Darstellung
von Dichters Ideen; aus seinen Werken - die nahezu ausschließlich
als "Beispielsammlungen" apostrophiert werden können, ergeben sich
jedoch klar die Prinzipien der "motivational research" - und insofern mag
der gewählte Arbeitstitel doch seine Berechtigung haben. Etwas provokant
seien nun also die
1.1 "Axiome" des Systems
näher erläutert.
1.1.1 Interpretative Forschung vor
deskriptiver Erhebung
Durch deskriptive Methoden erhobene Daten haben per
se keine Aussagekraft. Die Erhebung von scheinbar so "einfachen" wie der
demographischen Daten 4 impliziert u.U. die Frage nach dem Wie,
den näheren Umständen, der darin enthaltenen Dynamik: ist z.B.
die (Ja/Nein-)Antwort auf die Frage nach dem Lebensstand ´verheiratet
/ nicht verheiratet´ etc. überhaupt ausreichend, wäre es
nicht viel wichtiger auch nachzufragen, welcher Art, von welcher Qualität
5 z.B. eine Lebensgemeinschaft ist, anstatt sich mit der (formalen)
Auskunft ´in ehelicher Gemeinschaft lebend´ zu begnügen?
Die qualitativen Merkmale können z.B. die Entscheidungskompentenz
und -mechanismen zwischen den Partnern betreffen - ein nicht unerhebliches
Faktum, um z.B. die richtige Zielgruppe herausfiltern und zu einem Kaufentscheid
motivieren zu können u.a.m. An erster Stelle einer Untersuchung stehen
also nicht die - scheinbar - objektiven und repräsentativ zu erhebenden,
statistisch einwandfrei auszuwertenden Daten ("naiver Empirismus" 6)
sondern die Frage nach der Hypothese, die jeder noch so einfach
klingenden Frage zugrunde liegt. Im oben erwähnten Fall wäre
das beispielsweise die Annahme, alle verheiratet lebenden Menschen seien
eine mehr oder weniger homogene Grundgesamtheit, durch das gemeinsame Merkmal
der Ehe hinreichend definiert. Ohne nach dem Wie zu fragen
sind diese Daten jedoch nicht aussagekräftig. Bevor also irgendeine
Frage, deren Antwort via Fragebogen erhoben werden soll, gestellt werden
kann, muß interpretiert werden, die richtige Hypothese aufgestellt
werden. Immer geht man also mit einem gewissen "Vorwissen" an die Erstellung
eines Fragebogens heran; nur so können die "richtigen", relevanten
Fragen gestellt werden. Wie aber ist zu kontrollieren, ob dieses Vorwissen
auch den Tatsachen entspricht, sich mit den Vorstellungen bzw. Motivationen
der zu Befragenden tatsächlich deckt? Um dies feststellen zu können
muß man die den Fragen zugrundeliegenden Annahmen durch qualitative
Interviews veri- bzw. falsifizieren, die Hypothesen prüfen (Hypothesenvalidierung).
Der Kern der These ist: Interpretation vor Deskription.
1.1.2 Warum - Frage
Um die "richtigen" Fragen stellen zu können, müssen
Zusammenhänge hergestellt werden. Zusammenhänge setzen immer
die Frage voraus: warum ist etwas so, wie es ist? Warum z.B.
kaufen Hausfrauen ein bestimmtes Produkt einer bestimmten Marke - und nicht
jenes der Konkurrenzmarke?
1.1.3 Indirekte Fragen
Bei direkter Frage ergibt sich eine Fehlerquelle, nämlich
der "bias der Selbstdiagnose" 7. Wie kann jemand die Frage nach
der Motivation einer Handlung zutreffend beantworten, wenn die zu erhebende
Motivation z.T. un- oder unterbewußt ist? Die Selbstdiagnose, d.h.
die Antwort auf die direkte Frage wird unzureichend bleiben wenn nicht
sogar eine Tautologie sein (z.B. ich kaufe etwas, weil es mir gefällt
- keine Aussagekraft - warum es gefällt, das ist ja gerade die offene
Frage!). Die anzuwendende Methode ist also die indirekte Frage nach dem
Warum - nur so kann (vielleicht) die wahre Motivation (bzw. eine ganze
Reihe von Motiven) ans Licht gebracht, aufgedeckt werden. Untrennbar damit
verbunden ist die Hypothesenbildung, die es ermöglicht, projektiv/indirekt
zu fragen, das mögliche Umfeld/die hypothetischen Zusammenhänge
abzutasten und so zu den eigentlichen Motivationen zu gelangen. Explizit
hat es Dichter nicht ausgesprochen - aber es ist dies nichts anderes, als
die praktische Anwendung des philosophischen Ansatzes des Konstruktivismus:
dem Menschen als Konstrukteur von Wirklichkeit in seiner Wahrnehmung und
infolgedessen seinem Tun auf die Spur zu kommen. Dabei ist ganz wesentlich,
nicht vom rationalen Idealbild des Menschen als "homo sapiens" auszugehen,
sondern die emotionalen Anteile, ja die mit dem Tierreich gemeinsamen Triebe
(Evolutionismus, Psychologismus) mit ins Kalkül zu ziehen 8.
Hier kommen auch die oben angesprochenen philosophischen Grundlagen Dichters
deutlich zum Vorschein 9.
1.1.4 Emotion vor Intellekt - Irrationalität
vor Ratio: Paradigmenwechsel und Paradox als Methode
Um der meist un- oder unterbewußten Motivation
menschlichen Tuns auf die Spur zu kommen, bedarf es der Kunst der Intuition,
der detektivischen Suche, die aus systematischer Skepsis erwächst.
Intuition kann man fördern, indem man immer wieder die Frage stellt:
etwas scheint so und so zu sein - könnte es nicht auch anders sein,
gibt es andere Erklärungs- und Denkmöglichkeiten als Begründung
menschlichen Handelns? Nicht nur die Warum - Frage ist entscheidend, vielmehr
die Warum - nicht - Frage, das "Auf-den-Kopf-Stellen" bisheriger
Hypothesen und so das Entdecken neuer, bisher möglicherweise vernachlässigter
oder unbearbeiteter Aspekte. Es ist der dialektische Diskurs (Marx, Hegel)
als Methode, der so zu neuen Erkenntnissen führt (These - Antithese,
die in Erklärungs-/ Synthesen münden, die wiederum in Frage gestellt
werden, neue Antithesen provozieren...). Die Devise lautet also: Genotyp
vor Phänotyp 10, was steckt tatsächlich dahinter - was
ist bloß Schein, erweckt nur den Anschein? Dabei darf - so Dichter
- als erwiesen gelten, daß die irrationalen Beweggründe den
quantitativ und qualitativ bedeutenderen Anteil an menschlicher Aktion
ausmachen als die rationalen - ja daß die mitunter vorgebrachten
rationalen Begründungen für eine Handlung im psychologischen
Sinn Rationalisierungen der ihnen oft zugrunde liegenden, geradezu konträren
Emotionen sind. Um diesen Motiven auf den Grund zu gehen bedarf es des
systematischen Paradigmenwechsels und des Mutes, auch oft Paradoxa der
menschlichen Psyche zu akzeptieren, wie beispielsweise die Ambivalenz menschlicher
Gefühle 11, d.h. der gleichzeitigen bzw. eng nebeneinander
liegenden Gefühle von Liebe und Haß, Trauer und Freude u.a.m.
Dichter bringt das Beispiel von übermäßigem Genuß
von Zucker 12: zunächst süß verändert sich
der Geschmack bei Genuß größerer Mengen zu einer gewissen
Schärfe; die Grimassen beim Lachen und Weinen: die Mimik ist oft sehr
ähnlich bis deckungsgleich - diese Zusammenhänge sind nur Bilder,
Symbole für die angesprochene Ambivalenz menschlicher Emotionen.
1.2. Symbole - Wegweiser
zu den Grundmotivationen - Grundbedürfnisse (Maslow) 13
Wenn Dichter von Grundmotivationen spricht,
so hebt er auch auf die menschlichen Grundbedürfnisse ab. In diesem
Zusammenhang scheint auch ihm die sog. Maslowsche Pyramide ein zutreffendes
Modell zu sein 14: Abdecken materieller Bedürfnisse (Physiologie),
Bedürfnis nach Sicherheit, Bedürfnis nach sozialen Beziehungen
(Zugehörigkeit, Liebe), nach Wertschätzung (Status), Selbstverweirklichung,
Wissen (Führungsanspruch) und Ästhetik. Analog dazu gibt es auch
"Grundmotivationen" - doch Dichter hütet sich vor allzugroßer
Engführung. Wenn man überhaupt von Grundmotivation bzw.
von einer allumfassenden Motivation sprechen will bzw. die Vielfalt an
Motiven versuchen will, auf wenige wesentliche Triebkräfte zurückzuführen,
so ist es in erster Linie das Streben nach Sicherheit 15,
der Seinsvergewisserung 16 - Bestätigung der eigenen Existenz
17, die ihren Ausdruck im Sinnlich-Sinnenhaften findet. Die heute
bereits zum Allgemeingut gewordenen Symbole von Macht - die Statussymbole
wie das Auto u.a.m. dokumentieren das Bedürfnis nach Sicherheit in
vielen verschiedenen Facetten. Je höher der (materielle) Wohlstand,
desto raffinierter werden die Spielarten dieser Symbolik. In einem - von
Dichter des öfteren sinngemäß konstatierten -"postmateriellen
Zeitalter" ist dieses "Spiel" und die Erweiterung des eigenen Entfaltungsraumes
im Sinne grenzüberschreitender Entwicklung, Überwinden von Grenzen,
Erschließen neuer Dimensionen ein deutlich sichtbarer Trend. War
es in einer Zeit materieller Konsolidierung etwa ein Auto - um bei dem
Beispiel zu bleiben - das die Erweiterung des eigenen Entfaltungsspielraumes
symbolisierte bzw. durch raschere, effiziente Überwindung von raum-zeitlichen
Grenzen buchstäblich darstellte, so sind es in der postmateriellen
Ära eher "verinnerlichte" Werte, wie Selbstverwirklichung , Kennenlernen
der eigenen Psyche, des Geheimnisses des Lebens - durchaus genußvoll
im direkten wie im übertragenen Sinn (etwa z.B. durch Anwenden mühevollerer
Praktiken, um zur Erkenntnis des eigenen Ich zu gelangen). Die Tendenz
der genußvollen Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz geht
also in Richtung Verfeinerung, subtiler Inbesitznahme des Weltganzen. Gewisser
materieller Wohlstand ist natürlich Grundlage und Vorbedingung für
das "otium philosophari" - den Freiraum solchen Philosophierens: die Antike
feiert in dieser Hinsicht durchaus Renaissance. Neben der lustvollen 18
Lebensvergewisserung, dem Streben nach Sicherheit, gibt es natürlich
auch noch andere große Themen (C.G. jung würde von Archetypen
reden): der Umgang mit Gut und Böse (das "Moral-Theater" von
Krimi und Western sei hier als Beispiel erwähnt 19), Sexualität
20 (Bekleidungs- und Kosmetikindustrie), Liebe (möglichst
verfügbar und im Machtbereich des Menschen - etwa im Halten von Haustieren
- Herrsein, also auch ein Aspekt von Macht als Seinsvergewisserung - geliebt
werden ohne das Risiko der Enttäuschung, der Ablehnung, der Unsicherheit...
21) u.a.m. Lediglich der Tod 22 bleibt als größtes
gesellschaftliches Tabu ausgespart - wenngleich er in der Motivation eine
nicht unbedeutende Rolle spielt - z.B. in Form von Verdrängungsmechanismen,
um mit Leid nicht in Berührung zu kommen. Interessant ist hier
z.B. das Motiv der Vermeidung von "Ansteckung", das Menschen bewegt, etwa
nicht für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Der Versuch, die
Motivation umzukehren und eine derartige Spende als Seinsgewinn, Lebensversicherung
bzw. "Gottspielen" 23 zu verkaufen, war erfolgreich...
1.3 Minderwertigkeit, Schuldgefühle
und Absolution
Im Zusammenhang mit dem Streben nach Sicherheit zeigt
Dichter einen interessanten Aspekt auf: dieses Streben basiert auf einem
offenbar dem menschlichen Individuum 24 eigenen Gefühl der
Minderwertigkeit gepaart mit Schuldgefühlen. Dieser Grundbefindlichkeit
gilt es zu begegnen - im Umgang damit erweist sich ein Mensch als "lebenstüchtig"
oder versucht diese Spannung neurotisch zu lösen. Es gibt zwei Möglichkeiten,
zwei Strategien, das leben zu bewältigen: entweder fatalistisch und
passiv alles hinzunehmen oder das Leben selbst in die Hand zu nehmen, die
Möglichkeit menschlicher Freiheit (Wahlfreiheit, Entscheidungsfreiheit,
Planen) wahrzunehmen und zu nutzen, zu agieren. Dichter wird nicht müde,
immer wieder ein Plädoyer für den Antifatalismus zu
halten - es ist ein wesentlicher Grundgedanke seines lebensphilosophischen,
pragmatischen Denkansatzes 25. Dabei gewinnt dieser Gedanke geradezu
religiöse Dimension, weil hier einerseits Dichters (berechtigte) Religionskritik
ansetzt und er andererseits sein Verständnis von Religiosität
bzw. Glauben ("Wir brauchen ein psychologisches Credo" 26) entfaltet.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die jüdisch-christliche Vorstellung
der Erbsünde als Vorbedingung menschlicher Abhängigkeiten im
religiösen wie auch politischen Sinn 27, die den Fatalismus
fördern und den Menschen unmündig, fremdbestimmt sein lassen.
Je mehr der einzelne in der Lage ist, sich von diesem künstlichen
Halt (Streben nach Sicherheit! 28) zu lösen, "desto eher gelangt
er zu seiner wahren Bestimmung, ein Geschöpf nach Gottes Bild und
Gleichnis zu sein 29, d.h. eben selbst schöpferisch zu sein
und die eigene Freiheit nicht zu delegieren. Das Mythem der Genesis 30
"symbolisiert den ewigen Konflikt" (des Menschen) "zwischen dem Wunsch,
im Paradies der Unwissenheit und der statischen Ruhe zu bleiben, und dem
Verlangen, in die Welt der Erkenntnis, des Strebens, der Herausforderung
und der Entwicklung hinauszutreten 31, das Risiko des Neuen, der
Veränderung, des Wandels einzugehen. "Immer wieder versuchen wir in
das Nirwana embryonaler Wärme und träumerischer Unwissenheit
zu entfliehen" 32. Nichts zu tun, Minderwertigkeitsgefühl dadurch
zu überwinden, sich einem Übermächtigen (bzw. den Projektionen
davon) anzuvertrauen bzw. auszuliefern, ist die Strategie des Fatalismus,
Sicherheit zu erlangen. Daher kommt - so Dichter - die Notwendigkeit bzw.
das Bedürfnis der menschlichen Psyche, sich für aus eigener Freiheit
motiviertes Tun zu rechtfertigen (etwa für den Kauf eines Produktes).
Dazu kommt die wirkungsgeschichtliche Prägung 33, die jeglicher
Annehmlichkeit (als Ziel menschlich-motivierten Handelns) den Beigeschmack
des Unmoralischen, Schlechten anhaften läßt 34, anstatt
Kreativität zu belohnen (durch ein Gefühl der Befriedigung, der
Freude am Neuen, Unerwarteten). Die daraus resultierenden Schuldgefühle
müssen überwunden werden - es ergibt sich die Notwendigkeit der
Absolution, wie es Dichter immer wieder bezeichnet und dadurch
die religiöse 35 Dimension menschlicher Motivation anspricht.
So betont Dichter die Wichtigkeit der Strategie, mit dem Kauf bzw. Angebot
eines Produktes immer auch diese Absolution als Rechtfertigung mitzuliefern
36 - als tiefstes Motiv zur Überwindung menschlicher Minderwertigkeits-
und Schuldgefühle. Dichter erwähnt in diesem Zusammenhang des
öfteren die geradezu moralisch-religiöse Funktion von Seife 37,
die einem ähnlichen Ziel dient: nicht nur den Körper zu reinigen,
sondern von Schuld zu befreien (Absolution) - Seife bzw. Waschen als Symbol
(mit Anklängen an die Initiationsriten wie Taufe u.a.m.). Das Rechnen
mit diesen (versteckten) Motivationen und die Reflexion psychologisch-anthropologischer
Grundlagen ist Dichters Erfolgsrezept, mit menschlichem Verhalten verantwortlich
(in diesem Sinne auch ethisch human) umzugehen 38 und die sich daraus
ergebenden Einflußmöglichkeiten zu nützen.
1.4 Die Seele eines Produktes - Image
und Identifikation
Dichter wird mitunter als der Vater des Begriffes Image
bezeichnet 39, den er in der Tat im heute gebräuchlichen Sinn
von "Gesamteindruck" von einem Produkt, einer Persönlichkeit, einer
Institution etc. geprägt hat. Der Begriff selbst ist zwar nicht neu
- es ist ein Terminus aus der Gestaltpsychologie (imago) - und bedeutet
soviel wie "Persönlichkeit", aus dem Lateinischen wörtlich übersetzt:
Bild. Sich ein Bild von etwas machen - bzw. Eindruck auf jemanden machen
- um diese Wechsebeziehung geht es. Dabei sind es nicht detaillierte Informationen,
die im Gedächtnis haften bleiben, als vielmehr ein aus allen Eindrücken
gewonnenes Gesamtbild - einer Firma beispielsweise - mit dem der Betrachter
sich bzw. einzelne Produkte (der Firma) identifiziert.
Die als wesentlich wahrgenommenen Merkmale werden also zu einem Image zusammengefügt
- nicht Details, sondern das Gesamtbild erzielen hohe Impactwerte. Dichter
gebraucht einen weiteren Begriff, der mit jenem des "Image" innerlich zusammenhängt:
jedes Produkt etc. hat so etwas wie eine "Seele", die mit
dem Image /z.B. der erzeugenden Firma) korrespondieren muß und mit
dem sich der (potentielle) Kunde identifiziert. Diese drei Begriffe gehören
also untrennbar zusammen: Image, "Seele" und Identifikation 40.
Es gibt keine "leblosen" Dinge - alle "Gegenstände haben einen deutlichen
psychischen Gehalt, eine ´Seele´, die eine dynamische emotionale
Rolle im Alltagsleben des einzelnen innerhalb des Gefüges seines sozialen
Wertsystems spielt" 41. Daß Dinge / Waren eine besondere psychologische
Wirkung auf Personen haben und ausüben liegt wiederum darin begründet,
daß Personen sich auf Dinge / Produkte projezieren 42. Um
also den inneren Zusammenhang von Seele / Image und Identifikation (Projektion)
und damit auch die tiefste Motivation zu verstehen, warum z.B. ein bestimmtes
Produkt gerne gekauft wird, bedarf es einer Methode, die diese Relationen
deutlich machen kann. Dichter favorisiert zu diesem Zweck das von Moreno
entwickelte sog. "Psycho-Drama" 43.
Die Vorgangsweise ist denkbar einfach: man bittet eine Gruppe von Testpersonen,
sich in ein Produkt hineinzuversetzen und Emotionen, Assoziationen, Befindlichkeiten
zu äußern bzw. Fragen zu beantworten wie: Sie sind jetzt ein
Auto - welches Geschlecht haben Sie (als Auto)? - daraus ergibt sich: ist
ein Auto ein männliches oder weibliches Produkt u.a.m. (Eigenschaften).
Mit Hilfe dieses projektiven Verfahrens wird viel über die "Seele"
eines Produktes - aber auch über Wünsche, Erwartungen (Seele)
der Testperson (des potentiellen Kunden) und sein Image vom Produkt deutlich.
So sind mögliche Motivationen erkennbar und so können auch in
der Folge motivatorische Anreize geschaffen werden.
1.5 Instrumente der Motivforschung
Grundlage jeglicher Motivforschung ist für Dichter
die Hypothesenbildung. Um Hypothesen zu validieren stehen verschiedene
Instrumente zur Verfügung:
1.5.1 Das Tiefeninterview
Diese Technik - auch als "indirekte Befragung" oder
"Open-end-Befragung" beschrieben - wurde von Dichter 1938 entwickelt und
lehnt sich an die Methoden der Psychoanalyse an 44. Grundgedanke
dabei ist, nicht durch direkte Fragen unbewußte Motivationen zu verschütten
(rationalisierende Antworten - Fehlerquelle: Selbstdiagnose), sondern durch
indirektes Fragen und freies, assoziatives Erzählen möglichst
viel zu einem bestimmten Thema an die Oberfläche zu bringen. Dabei
geht es um die genaue Beobachtung des zu Interviewenden (emotionale Spontanäußerungen)
ebenso wie um die detaillierte Aufzeichnung des Gesagten; in möglichst
vertrauter, persönlicher Atmosphäre sollen die tatsächlichen
Motive bzw. Emotionen deutlich werden. Der Interviewer muß sich neutral
verhalten. Er darf das Gespräch nicht durch Signalisieren von Zustimmung
oder Ablehnung beeinflussen. Manche "Tricks", wie das Vortäuschen,
nicht genau verstanden zu haben, projektive Fragen (= indirektes Nachfragen)
u.a.m. helfen, das Gespräch in Gang zu halten 45. Die Auswahl
der zu Interviewenden erfolgt nach qualitativen Kriterien. Die Samples
können daher relativ klein sein. Für Dichter ist das kleine Sample
nicht Notlösung sondern Methode 46. Nicht die Größe
sondern die Struktur des Samples entscheidet über den Erfolg. Die
Ergebnisse sind dann zwar nicht statistisch verwertbar, bieten aber Grundlage
für entsprechende quantitative Erhebungen, weil es aufgrund der aus
den Interviews gewonnenen Kenntnis der Motive (Hypothesenvalidierung) nun
möglich ist, die "richtigen" Fragen zu stellen.
1.5.2 Weitere Instrumente
Weitere Instrumente sind spezifische projektive Methoden,
das bereits skizzierte sog. "Psycho-Drama" und die Beobachtung 47.
Darüber hinaus nennt Dichter non-verbale Methoden (Rohrschach etc.),
Projektionstests, kontrollierte Experimente, "Tagträume" - quasi virtuelle
Rezepte (Vorgangsweisen und Konsequenzen) sowie das Gruppeninterview (vgl.
Gruppendiskussion, Focus Group) 48.
1.6. Wissenschaftlicher Anspruch
Was den wissenschaftlichen Anspruch betrifft, vertritt
Dichter die Ansicht des Pragmatismus. Sein Ansatz ist es, Forschung zu
betreiben im Hinblick darauf, daß Resultate auch verwendet werden
können 49. In diesem Zusammenhang spricht er von "pragmatischer
Intelligenz 50. Theoriebildung ist nicht so wichtig wie ergebnisorientiertes,
pragmatisches Arbeiten. Oft wird ein Trend längst offenbar, auch wenn
noch nicht "gesichertes" Zahlenmaterial vorliegt, sprich: quantitative
Untersuchungsergebnisse. Auch wenn beispielsweise nur eine (im Vergleich
zu quantitativen Erhebungen) geringe Zahl von Tiefeninterviews nötig
ist, um Grundmotivationen für bestimmtes (Kauf-)verhalten zu eruieren
und aufgrund der geringen Zahl keine statistischen Hochrechnungen möglich
sind (Repräsentativität...), so zeigt sich dennoch ein Trend,
der nicht "falsch" ist, der aufgrund deskriptiver Forschung (mit den "richtigen"
Fragen aus der Kenntnis der Motive) in einem zweiten Schritt zu quantifizieren
wäre. Oft lohnt es sich nicht, diese Quantifizierung auch tatsächlich
durchzuführen, sondern vielmehr mit dem aus der Motivforschung (qualitative
Befragung) gewonnenen Ergebnis einfach zu arbeiten. Dichter räumt
dem Pragmatismus absolute Priorität ein - komplexe Zusammenhänge
sind nur durch komplexe Theorien abzubilden - es gibt aber praktikable
Strategien, einen Schritt nach dem anderen zu setzen und auch ohne "perfekte"
Theorie den "richtigen" Weg zu gehen. In den Naturwissenschaften gibt es
dafür den Begriff "fuzzy logic", was soviel bedeutet wie Schlußfolgerungen
ziehen aufgrund von Schätzwerten, nicht aufgrund absolut präziser
Zahlen. Motivforschung verlangt Flexibilität, die Fähigkeit pragmatisch
zu agieren - Theorien sind mitunter nur Gedankengebäude, die lediglich
das Gefühl von Sicherheit bieten, die Wirklichkeit im Griff zu haben.
Die Wirklichkeit ist unpräziser, läßt sich nicht in Theorien
pressen - Motivforschung erhebt diese Dimension der Unschärfe quasi
zur Methode, deutet und deutet an, was quantitativ oder theoretisch oft
nicht zu belegen ist.
2. Der Mensch Ernest Dichter
"Was steckt dahinter?" - das ist die Kernfrage der Motivforschung.
Analog ist zu fragen: Wer steckt dahinter? Wer ist der Mensch Ernest Dichter,
der sich selbst als Suchender, kreativ Unzufriedener, ständig lernen
Wollender bezeichnet, was sind seine Motive? Welche Haltungen, Wertvorstellungen,
Optionen prägen Ernest Dichter und liegen seinem pragmatischen Ansatz
der Motivforschung zugrunde? Analog zur deskriptiven Methode könnte
man auch hier Eckdaten - scheinbar gesicherte demographische Daten - anführen:
geboren am 14.8.1907 in Wien, jüdische Herkunft, (frühzeitige)
Emigration über Paris in die USA 1937, erste Erfolge 1938, 1939 ("Imageforschung"
etc.) usw ... gestorben 21.11.1991. Diese Daten sind jedoch nur bedingt
aussagekräftig, zu den demographischen müßten eigentlich
psychographische Daten hinzukommen, um hinter dem Phänotyp die Genese,
das Eigentliche, die Motive, die tiefsten Beweggründe Dichters zu
erkennen.
2.1 Psychographische Daten
Dichters Werke sind voll von Hinweisen, die Rückschlüsse
auf seine Motivation zulassen - er selbst hat sich (als Psychoanalytiker)
immer wieder der Reflexion über seine Person gestellt und in Interviews,
seiner Autobiographie und auch sonst in seinen Werken zum Thema gemacht.
Dichter hebt die Tatsache hervor, daß er als Ältester der Familie
den Vater früh verlor und die Rolle des Vaters und Familienerhalters
bereits mit 17 Jahren "spielte" bzw. ausfüllen mußte. "Bei der
Analyse meines Lebens komme ich zu dem Schluß, daß ich wahrscheinlich
immer nach einem Vater gesucht habe ... Ich hatte nie einen Vater, den
ich bewundern, ... auf den ich mich verlassen konnte. Deshalb gab es für
mich nur die Lösung, selber einer zu werden" 51. Die familiäre
Situation - das hat auch Dichter in vielen Studien als wesentlichen Faktor
einkalkuliert - ist prägend für das weitere Leben. Seine Strategie,
die Flucht nach vorn anzutreten, nicht fatalistisch in die Neurose zu fliehen,
sondern Verantwortung zu übernehmen, "kreativ" zu gestalten in der
Vaterrolle, findet sich auch in seinem System der Motivforschung. Darüber
hinaus gab es ein physiognomisches Merkmal, das Dichter "anders" sein ließ:
er war rothaarig. Dichter schreibt darüber: "Bei meinem Umgang mit
anderen Kindern bildete ich mir ein, ganz anders zu sein als sie. Ich hatte
rote Haare, war nicht so athletisch gebaut wie die anderen und trug Jahre
hindurch nur alte Kleider, weil meine Familie sehr arm war" 52.
Von dieser Selbstbeobachtung ist es nur ein kleiner - wenngleich auch ein
wenig narzißtisch motivierter - Schritt zur Fremdbeobachtung: wie
reagieren die anderen auf mich, werde ich akzeptiert, nicht angenommen?
usw. Diese beiden Grundmotivationen bzw. Prägungen der Kindheit erwähnt
Dichter, wenn er den Anfang seines Interesses an Motiven zu erklären
versucht 53. Eine "Antistreßtechnik", die Dichter offenbar
von Kindheit an angewandt hat und die sich in seinem Appell zum Antifatalismus,
zur Überwindung von Minderwertigkeitsgefühl als Grundmotiv menschlichen
Handelns wiederfindet: Umwandlung bzw. Umdeutung von Angst in Herausforderung
und Neugierde 54. Diese Strategie wandte Dichter auch an, um seinen
Minderwertigkeitskomplex zu kompensieren bzw. seine Schüchternheit
zu überwinden 55. "Der Antrieb, den man ...zum Handeln braucht,
ist eben Unsicherheit, ob nun von rotem Haar oder von anderen möglichen
oder unmöglichen Gegebenheiten ausgelöst" 56 - nach Viktor
Frankl Heilung durch Aktion 57. Andererseits ist es gerade wieder
nicht das Überwinden sondern das Bleiben der Unsicherheit, das befähigt,
differenzierter zu fragen, sich die Skepsis als Quelle der Kreativität
in der Suche nach Motiven zu bewahren 58. Darüber hinaus verspürte
Dichter einen geradezu missionarischen Drang, durch seine Aktivität
den Dingen auf den Grund zu gehen: er wollte "sehr schlicht gesagt, der
Messias in moderner Auflage sein" 59. Diese und viele vergleichbare
Aussagen mit starken religiösen bzw. philosophischen Anklängen
rechtfertigen, neben Dichters Psychogramm, den psychographischen Daten,
auch den Bereich von Philosophie und Wertsystem in die Überlegungen
miteinzubeziehen, die - wie Dichter selbst es sagt - "das weiteste und
ergiebigste Land" darstellen, "in dem besseres Verständnis für
unsere Handlungen entdeckt werden kann" 60.
2.2.1 Philosophie und Wertsystem
Dichter stellt Bezüge zum Existenzialismus ebenso
her wie zur klassischen Religionskritik des 19. Jahrhunderts (Nietzsche,
Feuerbach). In nahezu jedem seiner Bücher fragt er nach den großen
Themen menschlichen Lebens, nach Sinn, die Suche nach dem Ziel 61,
dem Weg zum Glück 62 und skizziert auch jene Dinge, die Rätsel
bleiben 63. Unübersehbar ist jedoch dabei die Motivation, nach
authentischen Antworten zu suchen, nach dem, was die Welt, den Menschen,
menschliche Wertvorstellung, das Humanum im Innersten zusammenhält.
Von Dichters Plädoyer, die "großen Fragen zu stellen", war bereits
die Rede. Dieser Bezug äußert sich für Dichter in jeder
Untersuchung:"Niemals sollten wir glauben, Ereignisse und Erscheinungsformen
unseres Lebens bestätigten nur altbekannte Wahrheiten" 64.
Nichts ist banal. "Die wahre Größe kleinster Dinge zeigt sich
in ihrer Beziehung zu transzendenten Ursprüngen im Herzen des Menschen
oder der Natur" 65. Welche Vorstellungen von Glück, Ziel und
Transzendenz haben sein Leben geprägt, seinen Denkansatz bzw. sein
pragmatisches Modell der Motivforschung beeinflußt? Dichters Vorstellungen
sind eine konsequente Weiterführung seines "existenzialistischen"
Ansatzes der menschlichen Selbstverwirklichung durch Aktion. Als Lebensziel
formuliert er Wachstum und Fortschritt - die Angst vor der "Sünde"
der Veränderung, das Verlassen statischer Unwissenheit 66,
lehnt er (auch aus heutiger theologischer Sicht völlig zurecht) ab.
Gott als Projektion menschlicher Angst, des Gefühls der Minderwertigkeit
67 des Menschen als "Mängelwesen" 68, das die Freiheit
der Selbstbestimmung an ein höheres Prinzip delegiert, um so der Last
eigener Verantwortung auszukommen 69 - dieser Gottesbegriff gleiche
einer Blasphemie 70. Dichter versteht sein Werk auch als Protest
gegen diese falschen religiösen und philosophischen Systeme und Vorstellungen.
Es geht ihm darum, "den wahren Gott in uns zu entdecken und ihn dann auch
außerhalb unserer selbst zu sehen" 71. Die eigene innere Entwicklung,
der Mut, sich selbst zu erkennen (das sokratische gnoti seauton - erkenne
dich selbst 72), "psychologische Selbstverwirklichung und äußerste
Ausnützung eigener Kräfte" 73 - das sind die konstitutiven
Elemente von Sinn. Leben als fortdauernde Entwicklung - nicht als (anzustrebende)
statische Perfektion. Obwohl Dichter sich als Atheist bezeichnet 74,
kennt er aus eigener Erfahrung das beruhigende Gefühl glauben zu können,
"daß es eine omnipotente Kraft gibt, die einem helfen kann, wenn
man an sie appelliert" 75. Entscheidend ist jedoch - gleich wie
man diese Dimension menschlicher Existenz bezeichnet - diese Erfahrung
nicht zu vereinnahmen, sie nicht durch ein System verwaltbar zu machen
und dadurch zu nivellieren. Was hier in religiöser Hinsicht angesprochen
wird zeigt sich in der Motivforschung als Postulat zur dauernden Skepsis
als Quelle der Kreativität: das menschliche Leben ist überraschend,
nicht theoretisch faßbar, immer zu hinterfragen. Der Mensch wiederum
ist offen für Neues, physisches und vor allem psychisches Wachstum,
unterwegs zu immer weiteren Dimensionen 76. Kreativität als
Ziel - nicht abgeschlossene, perfekte (auch in temporalem Sinn) Vollkommenheit.
Der Weg ist das Ziel, die Lust am Weg auf ein Ziel hin ist
Glück. Die Motivation fast aller Dinge ist die Vorstellung,
das Paradies wieder zu entdecken 77. Die Irreführungen der
meisten Religionen (ob jüdisch-christlicher oder buddhistischer Tradition)
besteht nach Dichter darin, die Vorstellung eines statischen Paradieses
zu vermitteln (Perfektion). Mit dem Faktum des Erreichens ist das Glück
jedoch schon wieder abgeschlossen bzw. wird durch Perpetuierung des Ewiggleichen
"langweilig" (variatio delectat! - das ist Dichters Motto nach Abwechslung).
Daher propagiert Dichter die dynamische Sicherheit, das "Paradies" des
dauernden Suchens, des "ständigen Lernen-Wollens" und des "fortwährenden
Wachstums" 78 und sieht dies als tiefste Motivation menschlichen
Verhaltens (Neu - gierde). "I believe that the definition of happiness
is constructive discontent. Getting there is all the fun; the goal itself
is much less important than growth, striving and self-fulfillment" 79.
2.2.2 Lust als Ziel und als Norm -
die Lebensphilosophie des Hedonismus
Ein weiteres wesentliches Grundprinzip und "Urmotiv"
ist das Lustprinzip (in Abhebung zum Realitätsprinzip nach Freud).
Lust ist eine menschliche Basismotivation. Dichter plädiert - im Sinne
der Veränderung der Gesellschaft zu humanen Wertvorstellungen - für
eine Verbindung, nicht den Gegensatz beider Prinzipien 80. Schlüssel
dazu sei die richtige Motivation, nicht das (wie bisher erwiesen) erfolglose
Motivieren durch Ge- und Verbote (Stichwort: 10 Gebote 81). Der
Mensch ist ein Spielender (homo ludens 82), Lust erwächst aus
dem spielerischen Umgang mit Wirklichkeit. Lust hat natürlich auch
eine sinnliche Komponente (Sexualität, Rituale der Nahrungsaufnahme
etc.). Dichter bringt den kulturgeschichtlich mitunter negativ besetzten
Begriff des Hedonismus ins Spiel - "die Lehre, daß Freude und Genuß
nicht Selbstzweck sind, sondern einer echten Persönlichkeitsentfaltung
entspringen" 83. Diese Interpretation schließt soziale Verantwortung
und ethische Maximen (Ermöglichung der Entfaltung für alle Menschen)
mit ein. Ins Detail geht Dichter nicht - er steht jedoch in seinen Wertvorstellungen
auf dem Boden humanistischer Ideale: "Wollen wir unser ... Leben ... genießen,
müssen wir einen Moralbegriff entwickeln, der ... angemessen ist.
Ein solcher Moralbegriff darf nicht Genußsucht und ein verweichlichtes
Leben verteidigen, sondern die Idee, daß das Grundziel unseres Lebens
die menschliche Würde ist und daß wir uns ... selbst verwirklichen
können" 84.
2.2.3 Ist Motivforschung moralisch?
Einer von Dichters Kontrahenten, Vance Packard, denunzierte
in seinem Buch "Die geheimen Verführer" (1956) die Motivforschung
als "Verführung" und die angewendeten Methoden als "Manipulation".
An mehreren Stellen seiner Werke geht Dichter auf diese Vorwürfe ein
85. "Motivations-Denken bedeutet auch auf kommerziellem Gebiet nicht,
die Menschen wie Schachfiguren hin und her zu schieben, oder ihr Unterbewußtsein
zu manipulieren, um sie zum Kauf überflüssiger Dinge zu überreden"
86. Zum ersten handelt es sich um keine "magischen" 87 Methoden
- die Wirksamkeit bzw. die Möglichkeit zur Einflußnahme findet
ihre (natürliche) Grenze bei der Grundhaltung, der Grundeinstellung
eines Menschen 88. Motivation ist lediglich ein (emotioneller) Stimulus,
keine Zwangsbeglückung (kontra Behaviorismus). Zum zweiten geht es
auch nicht darum, Konsum um des Konsums willen zu propagieren, sondern
Konsum als Instrument der Persönlichkeitsentfaltung sinnvoll zu unterstützen.
Tatsache ist, daß die Wirtschaft nicht ausschließlich auf dem
Prinzip der Bedarfsdeckung beruht (ausschließlich Notwendiges wird
produziert), sondern den Typus einer Ökonomie des Überflusses
darstellt 89. Wir leben nicht nur von vernünftiger Bedarfsdeckung,
sondern auch von irrationalen Bedürfnissen 90. Viele Produkte
dienen also der Erweiterung der Persönlichkeit und haben so ihre Berechtigung.
Mißbrauch einer "Technologie" ist immer möglich - das macht
die Technologie nicht unmoralisch. Auch handelt es sich bei der Motivforschung
um keine Arkandisziplin - im Gegenteil, die Verhaltensmuster bzw. Motivationen
sollen ja bewußt gemacht werden (und werden publiziert...). Wenn
jene offenkundigen Mechanismen zu Werbezwecken eingesetzt werden, dann
besteht natürlich die Möglichkeit, Menschen zu täuschen
- oder auch im Postiven zu motivieren. Großen Unterschied macht der
Gegenstand, um den es geht: handelt es sich um A oder B Projekte? 91
A bedeutet wesentliches, gesellschaftlich und in vielleicht ethischem
Sinn relevante Themen, B sind kommerzielle Projekte. Generell ist Einflußnahme
immer vorhanden (Umfeld, Personen) - die Frage ist nur, warum soviel Angst
da ist, diesen Einfluß gezielt (im Positiven) einzusetzen - ist es
vielleicht die (prinzipielle) Angst vor Wandel, vor dem selbständigen
Agieren, dem Verlassen des "statischen" Paradieses der Unwissenheit (Fatalismus)
und ist daher die Einflußnahme moralisch negativ besetzt...? 92
Dichter plädiert für die Unterstützung eines evolutiven
Weges mit Hilfe gezielter Einflußnahme - sei es, um das "Spiel" mit
den Dingen in Gang zu bringen (Wirtschaft), sei es, die Menschen zum ethisch
Besseren hin zu verändern (Motivforschung als pädagogisches Instrument).
Die Grenzen sind fließend - die Entscheidung, ob moralisch oder nicht
von Fall zu Fall zu treffen. Jegliche deontologische, absolute Regelung
würde der Problematik nicht gerecht werden. Die moralische Verantwortung
wird niemandem abgenommen.
3. Würdigung
Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, daß
die Thesen, die Dichter vorlegt, nun ihrerseits unantastbar seien und exklusive
Gültigkeit für sich beanspruchten. Das Recht des Zweifels ist
Teil von Dichters System 93 - auch gegenüber seinem Werk. Er
versteht sein Konzept als "Anregung" 94 - als Ideenbörse und
als Kontrapunkt zu überkommenem Denken. Freilich ist auch Dichter
Kind seiner Zeit und Umwelt - man muß also auch sein Umfeld und Beziehungssystem
in Betracht ziehen, dieser Zusammenhang "relativiert" im wahrsten Sinne
des Wortes. Fortschrittsglaube und Wissenschaftsoptimismus, positive thinking,
the American way of life ("Pionier-dasein") und Religionskritik auf dem
Hintergrund puritanischer Tradition sind nur einige dieser Bezugspunkte.
Dichter ist jedoch auch Europäer und steht - nicht zuletzt auch durch
seine Ausbildung - in der großen philosophischen Tradition des Humanismus.
Den Menschen zu "psychologischer Unabhängigkeit" 95 zu motivieren,
zu seiner Würde, und ihn zur (inneren wie äußeren) Entfaltung
- auch im transzendenten, grenzüberschreitenden Sinn - zu bringen,
ihn (nach Alfred Adler) zur Veränderung zu ermutigen 96, die
Angst vor dem Neuen zu nehmen und so zu neuen Dimensionen des Seins und
des Sinns menschlichen Lebens vorzudringen bleibt Verdienst eines "kreativ
Unzufriedenen" 97: Ernest Dichters.
Literaturbericht / Quellenlage / Literaturverzeichnis
Auf der Suche nach Literatur bzw. Quellen ergaben sich
Kontakte zu den Ernest-Dichter Instituten in Deutschland bzw. der Schweiz.
Herrn Kirchmayr und Herrn Dr. Doebeli sei an dieser Stelle für den
ein oder anderen Literaturhinweis herzlich gedankt.
Das Dichter-Archiv, das an der Universität Wien
im Institut für Publizistik gelagert wird, harrt derzeit der Aufarbeitung
und ist leider noch nicht zugänglich (Auskunft Univ.Doz. Dr.Wolfgang
Duchkowitsch, Leiter der Fachbibliothek für Publizistik und Kommunikationswissenschaft).
An wissenschaftlicher Literatur fand sich keine einzige Arbeit, die Person
und Werk Ernest Dichters zum Gegenstand systematischer Untersuchung gemacht
hätte. Lediglich die zahlreichen - gemäß seines bewußt
non-szientistischen Forschungsansatzes - bisweilen "populärwissenschaftlichen"
Veröffentlichungen Dichters bilden eine reiche primärliterarische
Fundgrube...
Auch aus der Literatur konnte nur eine Auswahl berücksichtigt
werden - es ergaben sich jedoch bereits bei den angeführten Titeln
Doppelungen und Wiederholungen - die Themen, die Dichter bewegten kommen
in der ein oder anderen Form fast in jedem seiner Bücher vor...
Grundlage der Arbeit waren daher die folgenden Titel
(die unterstrichenen Teile wurden für die am meisten zitierte Literatur
als Kurzzitat im Text verwendet):
Dichter, Ernest: Motivforschung, mein Leben; die
Autobiographie eines kreativ Unzufriedenen.- 1. Aufl.- Frankfurt/Main:
Lorch, 1977
(Englische Fassung:
Ds.: Getting motivated: The Secret Behind Individual
Motivations by the Man Who Was Not Afraid to Ask "Why".- New York u.a.:
Pergamon, 1979)
Ds.: Strategie im Reich der Wünsche.-
1. Aufl.- Düsseldorf: Econ, 1961
Ds.: Das große Buch der Kaufmotive.-
München: Heyne, 1983 (Kompaktwissen 22/133)
Ds.: Handbuch der Kaufmotive; der Sellingappeal von
Waren, Werkstoffen und Dienstleistungen.- 1. Aufl.- Wien; Düsseldorf:
Econ, 1964
Ds.: Gezielte Motivforschung; so machen Sie
mehr aus Ihrem Produkt!.- München: mvg-Verl., 1991 (Business-Training
1122)
Ds.: Überzeugen, nicht verführen; die Kunst,
Menschen zu beeinflussen.- 1. Aufl.- Düsseldorf; Wien: Econ, 1971
Ds.: Neues Denken bringt neue Märkte:
Analyse der unbewußten Faktoren, Umsetzung ins Marketing, Anregungen
und Beispiele.- Wien: Ueberreuter, 1991
Ds.: Mister Image: Die Erfolgsstory des Wiener
Motivforschers Ernest Dichter.- Videoaufzeichnung.- TV-Interview
1980, gesendet im ORF am 10.8.1992
Molinari, Gianfranco: Das Tiefeninterview
in der Absatzforschung.- Winterthur: Schellenberg, 1971
Who´s Who in America: 1982-1983.- 42 Ed.- Chicago:
Marquis Who´s Who, 1983
Fußnoten
1 Autobiographie 162 f. (Moritz Schlick),
ebd. 55 (Karl Bühler)
Neues Denken 103 (Alfred Adler)
und an mehreren Stellen
"Eine Voraussetzung der Kreativität
ist immer wieder die Frage zu stellen: ´Warum eigentlich nicht?´und
überhaupt zu lernen, naiv und fundamental zu fragen. Wahrscheinlich
habe ich diese Einsicht aus meiner Studienzeit mitbekommen, speziell durch
den Einfluß von Professor Moritz Schlick, bei dem ich in Wien Philosophie
studierte. Wir verbrachten oft wochenlange Seminare damit, zu lernen, wie
man grundlegende Fragen stellt." ebd. 162
2 Strategie 322
Wir müssen "in jeder...Situation
das Leben aus der Warte fundamentaler Begriffe sehen und grundlegende Fragen
stellen ... Nur allzuoft folgen wir bereitwilligst dem geringsten Widerstand
und betrachten unsere Probleme im Licht vorfabrizierter, eingänglicher
Vorstellungen ... Nehmen wir einen allumfassenden Standpunkt ein und stellen
wirklich grundlegende Fragen, überkommt uns eine Zufriedenheit, die
im Leben ihresgleichen sucht." ebd. 323
3 vgl. Autobiographie 226
4 vgl. Kaufmotive 48 ff.
5 z.B. Psychographische Daten
6 vgl. Kaufmotive 55 u. an mehreren
Stellen
7 vgl. Kaufmotive 51 u. an mehreren
Stellen
8 Das Negieren der emotionalen
Motive, der sog. "niedrigeren Impulse" inkl. tierischer Begierden wurde
auch als "cortikale Arroganz" bezeichnet, die die Ratio als normative Kraft
des Handelns überbewertet. Kaufmotive 29
9 Er zitiert Platos Vergleich des
Menschen mit einem Wagengespann: Ratio und Emotion. Ratio soll Emotion/Triebe
beherrschen, lenken (Vgl. Autobiographie 234, Strategie 13 u an mehreren
Stellen). Daraus folgt in der Rezeptionsgeschichte (nicht zuletzt durch
das Christentum via Augustinus und Neuplatonismus) z.T. extreme Lust- und
Leibfeindlichkeit, gegen die sich Dichter (auch geprägt durch die
puritanische Tradition) vehement wendet - dazu im Abschnitt "Der Mensch
Ernest Dichter". Darüber hinaus sind die Einflüsse von Evolutionismus
und Psychologismus als philosophische Strömung des fin de siècle
sowie das Motiv der Psychoanalyse nicht zu übersehen.
10 vgl. Kaufmotive 22 u. an mehreren
Stellen
11 vgl. Autobiographie 218 u. an
mehreren Stellen
12 ebd.
13 vgl. Strategie 139-160
14 vgl. Kaufmotive 34 f.
15 vgl. Kaufmotive 35 u. an mehreren
Stellen
16 vgl. Heidegger
17 vgl. Existenzialismus
18 s. u.. Abschnitt "Lust als Ziel
und als Norm - die Lebensphilosophie des Hedonismus"
19 vgl. Kaufmotive 234
20 Dichter warnt jedoch davor,
Sex als universalen Erklärungsstereotyp heranzuziehen (vgl. auch Autobiographie
196)
21 vgl. Kaufmotive 234, 138
22 vgl. Kaufmotive 217, 223
23 Autobiographie 26
24 Die Kehrseite von Individualität
ist Vereinzelung - potentielle Quelle der Angst und des Empfindens von
Minderwertigkeit.
25 s. u. Der Mensch Ernest Dichter
26 Strategie 325 u. an mehreren
Stellen
27 vgl. Strategie 305
28 Auch Vorurteile sind Ausdruck
des Strebens nach Sicherheit!
29 Strategie 305
30 "Sündenfall" / Erbschuld
31 Strategie 12
32 ebd. Hier nun Religionskritik
der östlichen Tradition des Buddhismus
33 des Sündenfallmythos
34 vgl. Strategie 218; Autobiographie
244 u. an mehreren Stellen: "Puritanische Moralauffassung": Beispiel Haushaltserleichterung
durch Fertigprodukte (Lebensmittel) und das damit verbundene Schuldgefühl,
bequem zu sein, sich der "Mühsal" = negative Besetzung menschlicher
Arbeit! - entzogen zu haben.
35 religare (lat.) - sich binden
an etwas: wieder der Aspekt der Sicherheit!
36 vgl. Kaufmotive 73 u. an mehreren
Stellen
37 vgl. Autobiographie 192, 81
u. an mehreren Stellen: im Zusammenhang mit einer Untersuchung zu Seife
für Procter & Gamble
38 s. u. Abschnitt "Ist Motivforschung
moralisch?"
39 Mister Image - ORF Interview
1980/92
40 Im Wort Identifikation steckt
das griechische eidos bzw. eidon, was soviel heißt wie Aussehen,
Gestalt - aber auch Idee, Begriff, Muster. Der ethymologische Parallelismus
zum Begriff imago / Image wird deutlich. Das Verb bedeutet sehen, erkennen,
wahrnehmen. Identifikation also bedeutet: ein Bild / die Gestalt / die
Idee (sichtbar) machen (eidos griech. = idea lat., facere = tun, machen).
Die Sprache ist oft hilfreicher Parameter für darunterliegende psychologische
Prozesse.
41 Strategie 101
42 vgl. ebd. Oft geht es dabei
um die Möglichkeit / den Erwerb der Fähigkeit, mit Hilfe von
Dingen eigene Grenzen zu überschreiten, um Ausweitungen der eigenen
Persönlichkeit. Vgl. Kaufmotive 88
43 vgl. Kaufmotive 84 f. u. an
mehreren Stellen
44 vgl. Kaufmotive 98 ff. Zur historischen
Darstellung bzw. interdisziplinären Diskussion des Tiefeninterviews:
Molinari, Gianfranco: Tiefeninterview in der Absatzforschung (Diss.- Winterthur,
1971)
45 vgl. Kaufmotive 102-108
46 vgl. Molinari: Tiefeninterview
72
47 Strategie 339-346
48 vgl. Kaufmotive 108-116
49 vgl. Autobiographie 226
50 Gezielte Motivforschung 150
51 Autobiographie 34
52 Autobiographie 13
53 vgl. auch Mister Image: ORF
Interview 1980/92
54 vgl. Autobiographie 17
55 Autobiographie 114
56 Autobiographie 111
57 vgl. ebd.
58 vgl. Autobiographie 105
59 Autobiographie 57
60 Kaufmotive 139
61 vgl. Strategie 316-338
62 vgl. Autobiographie 381-392
63 vgl. ebd. 363 ff. Theodizee
- Frage nach dem Sinn menschlichen Leids u.a.m.
64 Strategie 323
65 ebd.
66 wie die traditionelle Exegese
der Genesis und das daraus abgeleitete Mythem der "Erbschuld" nahelegen
- s. a. o. "Minderwertigkeit, Schuldgefühl und Absolution"
67 "Die Vorstellung von Erbsünde
und menschlicher Demut ist äußerst gefährlich. Sie mag
eine Vorbedingung menschlicher Abhängigkeit von Vatergestalten im
religiösen oder politischen Sinne sein. Glauben wir aber an das Endziel
menschlicher Reife, muß diese Vorstellung einer neuen Einsicht weichen.
Wir müssen erkennen, daß der Mensch erst am Anfang all seiner
Möglichkeiten steht; je mehr er sich vom Aberglauben löst und
von jedem künstlichen Halt befreit, desto eher gelangt er zu seiner
wahren Bestimmung, ein Geschöpf nach Gottes Bild und Gleichnis zu
sein" (Strategie 305) - mit einem Wort: selbständig und kreativ zu
sein. vgl. ebd. Fn 64
68 Arnold Gehlen
69 Das ewige Dilemma nach Erich
Fromm: "Die Flucht vor der Freiheit", zitiert in Autobiographie 355
70 vgl. Strategie 337, Autobiographie
363, Kaufmotive 12 u. an mehreren Stellen
71 Kaufmotive 12
72 vgl. Mister Image - ORF Interview
1980/92
73 Strategie 337
74 vgl. Autobiographie 363
75 ebd. 354
76 die "endlosen Felder von Seele
und Geist des Menschen" Strategie 337
77 Mister Image - ORF Interview
1980/92
78 ebd.
79 Leitsatz, zitiert in Who´s
Woh in America.-42 Ed.-1982/83
80 vgl. Kaufmotive 179 f., Mister
Image - ORF Interview 1980/92
Auch Moritz Schlick, bei dem Dichter
in Wien Philosophie studierte, vertritt das Lustprinzip als Moralbegründung.
81 vgl. Kaufmotive 19 ff., Neues
Denken 176 u. an mehreren Stellen
82 vgl. Mister Image - ORF Interview
1980/92
83 Strategie 315
84 Strategie 306
85 z.B. Autobiographie 134-152
86 Strategie 307
87 Kaufmotive 30 f.
88 vgl. Autobiographie 135
89 vgl. ebd. 243
90 vgl. dazu "Seele" eines Produktes
und Identifikation, Projektion usw. - vgl. Autobiographie 243 u. s.o.
91 vgl. Neues Denken 176
92 vgl. Autobiographie 138 f.
93 vgl. Kaufmotive 18
94 Gezielte Motivforschung 9 (Vorwort)
95 Strategie 337
96 Alfred Adler: Grundsatz der
Individualpsychologie vgl.Neues Denken 103
97 Autobiographie - Titel, vgl.
ebd. 392
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